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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 349 -
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3494. Jänner 1843 Aufsehen machte. der letzte Abschnitt, wo die vorschläge zur Besserung und reform der österreichischen Zustände entwickelt werden, scheint mir sogar praktisch sehr merkwürdig und beherzigungswerth, ich gestehe, daß ich mit einiger Besorgniß an diese stelle kam, und da unpraktisches und Unklares zu finden fürchtete, um so angenehmer ward ich durch das Ge- gentheil überrascht. kurz wir wollen sehen, welches schicksal dieses erst- lingskind in der Welt erwartet. Das alte Jahr ist ruhig eingegangen, und ebenso ruhig fing das neue an. Beyde mit dem herrlichsten frühlingswetter, dessen ich mich um diese Zeit erinnere, der himmel rein und warm wie im may, jetzt wird es kälter, doch eine trockene gesunde kälte, und der himmel immer so rein und wolkenlos wie im sommer. Die Scala wurde wie gewöhnlich am 26. eröffnet und zwar ziemlich flau, außer der Taglioni gefiel Nichts, nicht das Ballett Luisa Strozzi trotz seiner Pracht, nicht die frezzolini, nicht guasco, am wenigsten von allen ricci’s neue oper vallombra, ein Bischen ein Affe, vorgestellt von signore Para- disi, der im komischen Balletto: la scimia riconoscente, seine späße macht. seitdem hat man nun l’Assedio di corinto gegeben, welche oper besser gefiel. Nächstens erscheint Lucrezia Borgia und in 14 Tagen das große Bal- lett gisella mit der cerrito, obwohl ihr tänzer carey sich gestern den Arm gebrochen hat. dabey ist das theater immer zum erdrücken voll und sehr glänzend, mehr als sonst in dieser saison. sonst nicht viel Besonderes. den Weihnachtsabend war ich zum ersten mahle in casa Berchtold, welche mich zu dem christbaum ihrer kinder ge- laden hatte, seitdem war ich noch einmahl dort. doch scheint mir der ganze fuß dieses hauses und die dortige coterie nicht sehr angenehm, nicht viel besser als eine Wiederholung der coterie der hiesigen abgewirthschafteten deutschen frauen, welche mir höchst langweilig und unangenehm sind, die wie raubvögel überall einfallen, wo ein thee und ein geheiztes Zimmer zu finden ist, von einer mesquinen langweiligen Lebenslustigkeit beseelt, und deren ideen und conversation nicht weiter hinausgehen als ihre wenigen hiesigen Bekannten, lauter troupiers, und höchstens auf Wien, welches üb- rigens, schreibt man mir, heuer sehr lebhaft werden soll, dank sey es dem französischen, englischen und Brasilianischen gesandten, fürstin schwar- zenberg etc. ich mußte in diesen tagen, durch Wengersky gedrängt, öftere Besuche bey erzherzog carl ferdinand machen, um ihm die langeweile seiner reconvaleszenz vertreiben zu helfen, übrigens ist er nun heute zum ersten mahle ausgegangen. Breda schrieb mir neulich im nahmen des erzherzogs stephan, um mir zu sagen, daß dieser bereits mit graf kolowrat wegen meiner reiseprojekte gesprochen habe. dieser hätte geantwortet, er wolle vorher noch mit den
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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