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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 353 -
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35319. Jänner 1843 matinées etc. Allegri kam heute hier an und erzählte mir von clotilde lot- tum, die er im herbste in sorrento gesehen, die arme kleine lotte kinsky, die älteste 16jährige tochter der fürstinn Wilhelmine, die vor 2 monathen hier war, ist in neapel gestorben. das Wetter ist hier fortdauernd über alle Begriffe angenehm und schön. man spricht, daß graf hartig als gesandter nach florenz gehen soll, also eine ungnade, und daß Julie samoyloff henry martini heirathe, ich hoffe, eines ist so falsch als das Andere.1 in die mailänder-venezianer eisenbahn ist neue rührigkeit gekommen, seit den neuerlichen beyspiellosen conces- sionen der regierung, welche ihr 4 procent garantirt, aber hier weniger als sonst irgendwo, denn mit echt mailändischem kleinsinn und engherzigkeit verkaufen die leute nun ihre Aktien, um die paar gulden zu gewinnen, um welche sie gestiegen sind. meine Absicht ist, auf die letzten 14 tage februar von hier wegzugehen, ich bin schon zu lange müßig gesessen, und es leidet mich nicht mehr hier – wohin? das weiß ich selbst noch nicht, fände ich einen Begleiter, so ginge ich wohl nach rom, neapel etc., sonst aber gehe ich bloß nach venedig. letzthin brachte ich einen angenehmen vormittag zu bey dr. carlo cat- taneo, dem herausgeber des Politecnico, einem der aufgeklärtesten män- ner und vielleicht dem ersten schriftsteller mailands. es ist ein talent, das anderswo ruf und Bedeutung erhalten würde, hier muß er seine Wirksam- keit auf statistik und rationelle landwirthschaft beschränken. das einzige ihm gegönnte feld, welches einigermaßen in das gebieth der Zeitfragen hinüberstreift, ist das neue Pönitentienwesen, welches überhaupt in ober- italien, wie dieß auch die gelehrtenversammlungen der 2 letzten Jahre zu florenz und Padua bewiesen, viele köpfe und federn beschäftigt. staats- rath Josef Petitti hat bereits die errichtung dreyer Pönitentiäre in Piemont durchgesetzt. doch leider nach dem Auburn’schen systeme, welches auch dort seine schlimmen früchte zu tragen anfängt. Auch das genfer péniten- cier, welches nach dem schädlichen classensysteme eingerichtet ist, soll in einem Zustande der Auflösung seyn. Cattaneo und mit ihm der größte Theil der denker aber sind für das Pensylvanische isolirungssystem, so auch ich.2 1 Beide gerüchte erwiesen sich als falsch. graf franz hartig blieb als staats- und konfe- renzminister in Wien, zum gesandten in florenz – der Posten war seit der Abberufung von graf Adam reviczky im April 1842 vakant – wurde erst im oktober 1844 frh. Philipp v. neumann ernannt, bis dahin leitete karl schnitzer v. meerau als geschäftsträger die Gesandtschaft. Die seit Juli 1842 verwitwete Gräfin Julie Samoilov heiratete zwar wieder, jedoch nicht henri martini. 2 in den gefängnisreformdebatten standen sich hauptsächlich zwei in den usA entwickelte systeme gegenüber: das Auburnsche schweigesystem (nach der strafanstalt Auburn im staat new York), in dem die gefangenen bei nacht isoliert waren, bei tag jedoch gemein-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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