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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 356 -
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Tagebücher356 casino, bey melzi etc. das ist Alles. Allegri ist gerade hier, war neulich lange bey mir und erzählte mir manche geschichten aus florenz und ita- lien. trubetzkoi kam vorgestern von neapel, ich esse heute mit ihm und der taglioni bey spaur, da will ich mir von ihm geschichten erzählen lassen von clotilde lottum und natalie Palffy, welche letztere mit hélène Wür- temberg einen thätlichen Auftritt gehabt haben soll. übrigens sind sowohl rom als neapel sehr besucht, rom zugleich sehr brillant, neapel weniger, weil viele krankheiten da grassiren, und jetzt noch weniger seit dem tode des Prinzen v. lecce.1 meine Projekte sind durch jene letzten Briefe ganz gestört worden, höchstens gehe ich, wenn nicht früher eine Antwort kommt, für die 2. hälfte februar nach venedig, wo ich auch unter den fremden viele Bekannte finde. Marmont traf letzthin dort eine Art Schlag. Was mir von den politischen ereignissen der letzten tage besonders an- genehm aufgefallen ist, ist das von den stuttgarter Buchhändlern mittelst freywilligen übereinkommens eingesetzte schiedsgericht mit öffentlicher und mündlicher verhandlung und dessen erste sitzung. das ist ein erfreu- liches Zeichen des fortschrittes des deutschen charakters: selbstständig- keit, eigene thatkraft und gemeinsinn. dieß ist der Weg, den alle refor- men gehen sollten, nur von dem volke ist etwas zu erwarten, dessen Bürger kräftig und entschlossen genug sind, in eigener freyer übereinkunft das, was sie als gut erkennt, ins Werk zu setzen. Auch die verhandlungen der sächsischen kammern über oeffentlichkeit und mündlichkeit der rechts- pflege, der würtembergischen über Eisenbahnen, ja selbst der bayerischen über das kniebeugen der Protestanten vor dem sanctissimum geben ein erfreuliches Bild des fortschrittes. die dunkle seite dagegen bilden die Zei- tungsverbothe: leipziger Zeitung, charivari etc. in Preußen, die hallischen Jahrbücher in sachsen. Wann werden dergleichen rückschritte einmahl unmöglich gemacht werden? das Wetter ist noch immer ganz merkwürdig schön, heute hatten wir 14° r. im schatten. dabey ein himmel, rein und tiefblau wie im may. es läuft hier ein general herum, welcher Wetzlar heißt und hier ange- stellt ist, bisher wäre nun Alles recht gut, zum unglücke hat aber dieser neulich einen Brief von einem neveu bekommen, welcher, ein mauvais su- jet und aventurier, aus der österreichischen Armee weggejagt in der türkey endlich eine, wie er sagt, reiche frau gefunden und geheirathet hat, wobey er wie natürlich zum islamismus übertrat und, ebenfalls wie er sagt, den Rang eines Bimbaschi (Stabsoffiziers), jedoch ohne Gehalt und eigentliche Anstellung erhielt. sein onkel ist nun über das glänzende glück des lieben 1 Antonio Prinz v. lecce, ein Bruder von könig ferdinand ii. beider sizilien, war am 12.1. 1843 gestorben.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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