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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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3571. Februar 1843 neffen entzückt, erzählt es aller Welt, spricht nicht anders als mein neveu der renegat, mit einem gewissen selbstgefühle. kurz, das ganze ist höchst lächerlich. im kanton ticino, vor unseren thoren, haben wir zur Abwechslung wie- der eine revolution und zwar als reaction gegen die vom Jahre 1841, näm- lich im kirchlichen sinne, die Bauern sind nach lugano gekommen, wo in den straßen gekämpft und geschossen wurde, und nun sollen sie sich nach locarno, dem sitze der regierung, in Bewegung gesetzt haben.1 erbärmli- ches gesindel auf beyden seiten. [mailand] 1. februar gestern enthielt die Allgemeine Zeitung wiederum eine Beurtheilung von „oesterreich und seine Zukunft“ und zwar dießmahl von meinem freunde Zedlitz, welcher die bekannten halboffiziellen Wiener Briefe für die Bey- lage der Allgemeinen Zeitung schreibt.2 doch ist diese Beurtheilung kürzer und, wie sich bey Zedlitzens stellung nicht anders erwarten ließ, ziemlich ungünstig, er erkennt, daß darin manches Wahre enthalten und die ganze schrift mit patriotischer Absicht geschrieben sey, doch meint er, sey im ganzen das Bild carikirt und übertrieben, so sey oesterreich nicht und so werde es nie werden, ruft er in frommem eifer aus, die Ziffern seyen entwe- der falsch oder falsch gruppirt (und doch ist dem nicht so) etc. im übrigen schließe er sich den Worten des früheren Beurtheilers W.W. an.3 es ist doch merkwürdig, daß zwey bekannte geister zu einander spre- chen können, ohne sich gegenseitig zu erkennen, es können zwey menschen sich alltäglich begegnen, Jahre lang in der thätigsten geistigen Wechselwir- kung stehen, und es doch nicht ahnen, daß es ihr nachbar, ihr tischgenosse ist, mit dem sie im rapport stehen. die retrograde Bewegung des königs von Preußen scheint nun ent- schieden, so eben hat er die in cöln erscheinende rheinische Zeitung ver- bothen, eine maßregel gegen die freye Presse nach der andern, die Pro- vinzialstände sollen in diesem Jahre auch nicht berufen werden, und von einem Wiederzusammentritte der reichsstände verlautet ohnehin gar nichts. nur zu auf diesem Wege, und Preußen wird bald in deutschland so fremd und ohne Einfluß seyn wie Oesterreich, und noch weit fremder, weil 1 es handelte sich um einen weiteren – wie auch 1840 erfolglosen – Aufstand gegen die 1839 ebenfalls gewaltsam etablierte liberale regierung im tessin. 2 Allgemeine Zeitung (Augsburg) v. 28.1.1843, Beilage 217f.: Wiener Briefe. in diesem länge- ren Artikel ist etwa ein viertel einer spalte der Broschüre Andrians gewidmet. dieser teil des Artikels ist gedruckt in rietra, Wirkungsgeschichte, 161. 3 mit dem kürzel W.W. war die rezension in der Allgemeinen Zeitung v. 13.1.1843 gezeich- net, vgl. eintrag v. 19.1.1843.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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