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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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36111. Februar 1843 Campe schrieb neulich, er habe bereits eine zweyte Auflage von „Oester- reich und dessen Zukunft“ verfügt, die nächstens erscheinen werde, so kam also das korrigirte Exemplar zu spät, und die 2. Auflage dürfte so unkorrekt erscheinen als die erste. das thut mir leid. man spricht hier viel und witzelt bedeutend über eine italienische über- setzung ich weiß nicht mehr welches gebethsbuches, die hier zu einem wohlthätigen Zwecke erschienen ist und von der erzherzoginn herrühren soll, da kömmt denn als Zugabe ein gebeth für einen verstorbenen gelieb- ten (Paul d’Adda) vor, welches dann zu vielen spöttereyen Anlaß gibt, be- sonders da der Ausdruck wiederholt darin vorkömmt, daß dieser verlust ha lasciato un vuoto (eine leere) in me. so wenig ich auch geneigt bin, die Parthei der viceköniginn in irgend einer hinsicht zu ergreifen, so widerlich berühren einen doch derley flache und gemeine Witze über ein Produkt, welches so sichtlich ein Ausfluß ihrer innersten und schmerzlichsten Emp- findungen ist. in venedig, wo es fortwährend sehr viele fremde gibt, war letzthin ein großer Skandal: eine Gräfinn Oczarowska bekam durch ein Versehen zu- fällig einen Brief zugeschickt, welchen die gemahlin des dortigen guberni- alvicepraesidenten sebregondi, eine junge ziemlich hübsche mailänderin, an eine andere oczarowska nach Warschau geschrieben und worin sie sich nicht nur über ihre namensverwandte in venedig, sondern überhaupt über die in diesem Jahre dort sich aufhaltenden fremden auf das ausführlichste und härteste ausließ. diesen Brief verlas nun die oczarowska öffentlich im casino zu venedig sammt der erwiderung, womit sie ihn an die schreibe- rinn zurücksandte. Was weiter aus der geschichte geworden, weiß ich bis jetzt noch nicht. heute neue oper: i lombardi alla prima crociata von verdi, dem ton- setzer des nabucco. daher gespannte erwartung, ein beyspiellos volles und aufgeregtes haus und ein succès über alle Begriffe, wahrer eigentlicher furore, der beynahe zum tumulte ward, so daß einmahl der vorhang fallen mußte, und das mit recht, denn die musik ist streckenweise herrlich. neulich war ein großer und schöner Ball bey spaur, einige tage früher ein kleinerer bey melzi, und diese tage wieder ein solcher, dazwischen ca- sinobälle etc. in Barcelona dürfte es nächstens zu einer neuen empörung kommen, und daran ist das thörichte, unentschlossene Benehmen der regierung (trotz des Belagerungsstandes) schuld. die contribution von 12 millionen realen ist noch immer, trotz mehrfacher fristverlängerungen, nicht ein- mahl zur hälfte eingegangen, der generalcapitän seoane zaudert und kon- sultirt, schickt couriere nach madrid, statt einen energischen schlag zu führen. die maßregel der militairischen einquartirung bey den säumigen
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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