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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 362 -
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Tagebücher362 hat ein allgemeines geschrey erzeugt, und nun scheint er dieselbe wieder aufgegeben zu haben. die Blätter werden wieder heftiger und aufreizender als je zuvor. kurz, die lektion des Bombardements ist vergessen, eben weil sie zu gelinde war. da hätte ich anders gehandelt, decimirung der natio- nalgarde, ein fester termin zur Zahlung der contribution und nach dem verlaufe Plünderung der stadt, ich wollte doch sehen, ob das den geist nicht gebrochen hätte. Zudem werden die diplomatischen verwickelungen mit frankreich immer ernster. die französische Politik spanien gegenüber ist ebenso unwürdig als erbärmlich, ein quasi legitimistisches Boudiren es- parteros zu gunsten der davongelaufenen hure christina ohne allen sinn und Zweck, männer boudiren aber nicht, sondern nehmen offen und fest Parthey. es geschieht mir jetzt sehr oft, daß man in meiner gegenwart und mit- unter ziemlich lebhaft über das Buch „oesterreich etc.“ spricht, bis jetzt waren die urtheile, welche ich darüber hörte, trotz aller abweichenden mei- nungen doch nie anders als schmeichelhaft, nur einmahl äußerte sich, und zwar gleich Anfangs, general martini, den ich immer den kaiserlich öster- reichischen enthusiasten nenne, mit einer gewissen vornehmen nachläs- sigkeit, er habe es durchgeblättert, aber noch keine Zeit gefunden, Alles das was man jetzt über oesterreich schreibe, zu lesen. ich mußte selbst über den Ärger lachen, den diese geringschätzung in mir erregte. doch hatte er es damals wirklich noch nicht gelesen. übrigens hat tendler hier im nu 20 exemplare abgesetzt, und noch viel mehr wurden verlangt, jedoch von leuten, denen er sie nicht zu geben für gerathen fand. [mailand] 15. februar ich habe in diesen letzten tagen große verwirrungen gehabt, und beynahe alle meine schön aufgeführten gebäude sind zusammen gebrochen, ich stehe nun vor den schutthaufen und sinne darauf, sie neu aufzuführen. ich habe bereits erzählt, daß ich nach triest wollte, sobald ich Breda’s Antwort würde erhalten haben. diese kam am 13. und enthielt bloß eine umständlichere Auseinandersetzung dessen, was erzherzog stephan für mich gethan, welche Breda mir in seinem (des erzherzogs) nahmen mit- theilte, das einzige einigermaßen neue dabey war, daß graf kolowrat ihm geantwortet habe, er hätte das hiesige gouvernement über meine speciellen kenntnisse in den einschlägigen fächern befragt und von diesem die Ant- wort erhalten, daß ich dergleichen nicht besäße. nun habe ich aber hier mit aller Bestimmtheit in erfahrung gebracht, daß eine solche Anfrage nicht gestellt worden ist, und sie konnte es auch vernünftiger Weise nicht wer- den, denn meine vorgesetzten stellen können wohl über meine ämtlichen kenntnisse und leistungen, nicht aber über die gattung und den erfolg
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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