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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 370 -
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Tagebücher370 in s. Paolo ganz gegen meinen Willen bis 5 uhr morgens festhielt, behalte ich mir vor, wenn die sache ganz aufgeklärt seyn wird. nach Allem sehe ich, daß ich hier, und zwar in allen classen, so populär bin und täglich mehr werde, als dieses einem deutschen hier nur irgend möglich ist. diese tage bekam ich eine einladung zu einer Art von grisettenballe im lokale der schwimmschule, und ging auf eine stunde dahin und wunderte mich, da Alles so decent zu finden, ganz anders als ich es erwartet hatte, das wäre bey uns anders gewesen. die mädchen tanzten ihre quadrilles so gut als irgend eine, nur einen unterschied bemerkte ich, nämlich den, daß ich zum ersten- mahle, seit ich in mailand bin, fröhliche gesichter sah, bisher traf ich immer nur auf steife gênirt aussehende männer und Weiber, welche nur dazu da zu seyn schienen, um sich gegenseitig zu beobachten und auszurichten. keinem volke geht sowie dem mailänder der sinn, sich zu amusiren, so ganz ab, es fehlt ihm dazu an gemüthlichkeit und unbefangenheit, vielleicht auch an Welterfahrung. die beyden corsos waren wenigstens für mich sehr lebhaft, da ich mit lichtenstein, henikstein, mensdorf und erbach einen Balcon genommen hatte, auf welchem wie wahnsinnig geworfen wurde, an beyden tagen zu- sammen über 20.000 Pfund confetti. Als contrast dazu verbrannte ein altes 80jähriges Weib während der corsozeit am 2. tage, und zwar gerade auf dem lebhaftesten Platze desselben, in ihrem stübchen im 1. stocke. erzherzoginn Adèle von savoyen ist mit einer tochter entbunden worden, der hof soll am 15. kommen, erzherzog carl ferdinand, der immer leidend ist und elend aussieht, wird nächstens nach Wien abreisen, um der Jubi- laeumsfeyer seines vaters als großkreuzes des theresienordens (schlacht bey neerwinden 15. märz 17931) beyzuwohnen. es wird bey dieser gele- genheit zum Besten der brodlosen Arbeiter im erzgebirge ein carrousel der Wiener jungen herren geritten werden. diese tage schrieb mir hocheder, sein freund vigil v. helmreichen, k.k. Bergbeamter, auf urlaub in Brasilien befindlich, gedenke von da aus, süd- amerika quer zu durchreisen, nähmlich am Amazonenstrom hinauf, und bis an das stille meer, er habe bereits eine 3jährige urlaubsverlängerung und hoffe, auch einen geldzuschuß von der regierung zu erhalten, er theilt mir dieses mit, weil es mich vielleicht bewegen würde, einer so angenehmen und lehrreichen reisegesellschaft zu liebe meinen anfänglichen reiseplan in et- was abzuändern.2 darauf soll ich nun antworten. 1 richtig 18.3.1793. 2 Johann karl hocheder an Andrian, Wien 22.2.1843 (k. 114, umschlag 663).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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