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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 372 -
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Tagebücher372 viel zu reden. gestern ist er nun auf 3 Jahre abgereist – italienischer hel- denmuth. ich habe hocheder geantwortet, daß meine reise von den zu gewärtigen- den instructionen etc. abhänge, ich also, so sehr ich es gewünscht hätte, von seiner mittheilung keinen andern gebrauch machen könne, als die entschei- dung sosehr an mir läge, zu beschleunigen. von Waldstein noch immer keine Antwort. dagegen schrieb mir fritz fünfkirchen, er hätte sich wegen der von mir begehrten Auskünfte über die böhmische industrie an seinen onkel, den oberstburggrafen (wie unpassend!) gewendet,1 dieser hätte aber theils keine Zeit, theils müßte er früher genau wissen, wozu ich deren bedürfe, „da man vielleicht glaubt, ich wollte mich mit fremden federn schmücken.“ es ist doch unmenschlich, was die leute dumm sind! und da soll man sich mühe geben! mein Bruder gottfried (den ich übrigens trotz unserer nähe seit novem- ber 1841 nicht mehr sah) gibt mir eben jetzt viel zu denken. nachdem ich mit vieler mühe die Bezahlung der bedeutenden von ihm im letzten Jahre gemachten schulden von seiten seiner vormundschaftsbehörde durchge- setzt habe, erhielt ich nun kürzlich seine conduiteliste mit den Bemerkun- gen seines obristen Palffy. Jene kann nicht schlechter seyn. Was mir an dem ganzen Burschen am unangenehmsten ist, ist, daß kein feuer, kein geist, noch eifer zu irgend etwas in ihm steckt, machte er tolle Jugendstreiche, so hätte ich gar nichts dawider, so aber sitzt er den ganzen tag so recht dumm apathisch da, trinkt seinen caffeh, bekümmert sich um nichts und läßt sich von aller Welt und allen seinen kameraden hänseln und necken. Auf der an- deren seite scheint aber auch der oberst ihn aufs korn genommen zu haben und möchte ihn gerne vom regimente weghaben. im galignani2 steht diese tage eine correspondenz aus neapel, worin clo- tilde lottum als eine der belles of the season vorkömmt und unter andern erzählt wird, sie habe auf einem feste bey Brockhausen, wo des tableaux vivants vorgestellt wurden, besonderen effect gemacht. [mailand] 25. märz vorgestern ist unsere dießjährige carnevals stagione (nämlich im theater) mit vielem lärmen und geschrey zu ende gekommen, und obwohl ich nun wirklich zuweilen um die Art verlegen seyn werde, wie ich meine Abende zubringen soll (denn in dieser großen stadt habe weder ich noch ein anderer, ja selbst die meisten italiener nicht, es dahin gebracht, in ermanglung des 1 Graf Friedrich Fünfkirchen, ein Onkel Andrians, war mit Gräfin Sidonie Chotek, einer nichte des böhmischen oberstburggrafen karl chotek, verheiratet. 2 galignani’s messenger, in Paris erscheinende englischsprachige tageszeitung.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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