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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 373 -
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37325. März 1843 theaters zu wissen, wo man am Abende sein haupt hinlegen soll), so bin ich darüber doch wahrhaft froh, denn das alltägliche stundenlange geschrey und Brüllen, wie es besonders in den letzteren Wochen, wahrscheinlich in folge des durchfalls des letzten Balletts der taglioni, la Peri, zur mode ge- worden war, wurde wirklich unausstehlich und erschütterte die nerven. ta- glionisten und cerritisten wetteiferten in der Anzahl der chiamate, wurde die eine heute 14 mahle gerufen, so wurde es die andere 15 mal am folgen- den tage, und so steigerten sich beyde Partheyen bis ins unendliche. dabey wurde das mit einer Animosität betrieben, die ebenso komisch als wegen der beständigen und mitunter heftigen discussionen, in die man verwickelt wurde, unangenehm war, besonders war dieses bey mir der fall, da ich, ob- wohl Anfangs und auch jetzt noch entschiedener Bewunderer der taglioni, doch durch die leidenschaftlichkeit und mitunter auch wahre gemeinheit der Ausfälle der taglionisten (zu welchen beynahe die ganze Aristokratie, vornehmlich aber Pachta und die spaur’sche loge gehörte, in welcher ich allein den moralischen muth hatte, zuweilen die cerrito zu applaudiren trotz aller Ausfälle und meckereyen, mit denen man mich verfolgte) gegen die arme cerrito bewogen ward, ihre Parthey zu nehmen, man hörte von nichts Anderm sprechen als davon, und es gab die spaßhaftesten Anekdo- ten. An den drey letzten tagen nun wurden die drey lionnes, die frezzolini (diese und zwar mit recht ganz besonders), taglioni und cerrito, im eigent- lichsten sinne mit Blumen überschüttet, und am ersten tage dauerte das theater bis 1/2 4 uhr morgens. da gab es dann eine serenade für die cerrito und eine menge andres dumme Zeug, eine subscription zu einer medaille für die taglioni, an der ich auch theil nehmen mußte, und die durch ihren liebhaber fürst trubetzkoi, einem ganz ordentlichen angenehmen jungen menschen, der sich aber trotz dem bey dieser ganzen sache sehr lächerlich machte, veranlaßt wurde. ich war ziemlich oft und viel zu beyden Antagonistinnen gegangen, da ich beyde von früher her kannte. die taglioni ist eine vollendete grande dame, von den besten manieren und der angenehmsten conversation. die cerrito dagegen ist eine ganz gute, noch ziemlich unterthänige grisette, gestern war ich bey ihr, ihr glückliche reise wünschen, sie dankte mir sehr herzlich für die rücksichtslose theilnahme, welche ich ihr aus der ihr so feindlichen loge des gouverneurs gespendet hatte, und gab mir als Andenken die bey dieser gelegenheit auf sie verfaßten gedichte. der hof ist seit dem 17. hier, jedoch ist gabrielle, welche bestimmt war ihn zu begleiten, zurückgeblieben, da sie tags zuvor die gelbsucht bekam, doch glaube ich, daß sie übermorgen kommen wird. salm ist vor einigen tagen nach Prag abgereist, wo er zum vieceprae- sidenten ernannt ist und während der längeren Abwesenheit chotek’s das
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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