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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 375 -
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3759. April 1843 dings unklug und mit übertretung ihres reglements, unmittelbar an ihn gewandt hatten, um erweiterung der Befugnisse der reichsstände und Auf- hebung des censurgesetzes bittend, eine Antwort ertheilt, worin er damit droht, die Provinzialstände nicht mehr zu berufen, und seine verpflichtung zur Berufung allgemeiner reichsstände läugnet, indem das versprechen von seinem vater, nicht von ihm, gegeben worden sey, eine neue staatsrechtliche maxime, welche die könige jetzt einführen (hannover gab das Beyspiel1), ihre verpflichtung durch die handlungen ihrer vorfahren abzuläugnen, aber wie, wenn die völker anfingen, sich zu demselben Prinzipe zu beken- nen? Aber sieh dich vor, könig der Preußen! Wenn du geglaubt hast, die concessionen deiner ersten regierungsjahre würden als unverdiente, un- verhoffte gaben, wie sie die götter spenden, aufgenommen werden, man würde sie nicht als ein recht, sondern als ein geschenk entgegennehmen und keine weiteren forderungen stellen, wenn du auf eine mittelalterliche loyalität und treue rechnetest, so hast du das Jahrhundert ganz erstaun- lich falsch begriffen. schon von Anfang an mißfiel mir an ihm das ewige her- vorstellen seiner individualität, seine religiös-romantische tendenz, und ich dachte, daß solche menschen, wenn ihr stolz, ihre herrschsucht verletzt werden, gewöhnlich die ärgsten despoten werden. so wäre kaiser Alexander geworden, hätte er gelebt, so war er schon zum theile, als er starb.2 doch kann ich noch nicht glauben, daß es in Preußen dahin kommen werde, denn was wäre Preußen, wenn deutschlands sympathien sich von ihm abwenden würden? Auch ist das liberale element doch schon zu stark. elise Berndis ist schon seit 3 Wochen hier, doch sehe ich [sie] nicht so oft wie sonst, obwohl noch immer oft genug. sie hat einen fehler, der mir un- ausstehlich ist, es sieht bey ihr immer so unreinlich und unordentlich aus, daß es mir wahrhaften ekel verursacht, zudem langweile ich mich auch be- deutend. [mailand] 9. April es ist jetzt schon ganz frühling. der ganze märz war herrlich, und nun ist es schon so warm, daß man anfängt, den schatten zu suchen. gabrielle ist seit dem 27. hier, obwohl noch nicht ganz von ihrem leber- leiden hergestellt, und spricht nur von der angenehmen Zeit, die sie in ve- nedig zubrachte, und hauptsächlich von dem Palfy’schen salon, welcher eine 1 gemeint ist die Aufhebung der verfassung durch den neuen könig ernst August im Jahre 1837. 2 die regierungszeit von Zar Alexander i. (1801–1825) war anfangs geprägt von einer spür- baren reformpolitik, die jedoch später durch eine zunehmende autokratische reaktion überlagert wurde.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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