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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 376 -
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Tagebücher376 kleine, jedoch sehr gewählte cotterie versammelte, nämlich Jablonowsky, marmont, hildprandt, hugo nostitz, Paul Zichy, Jeanne Pallavicini-nugent, Pascotini etc. ein solcher salon und eine angenehme conversation sind zwey dinge, die ich nun, seit ich in mailand bin, leider ganz vergessen habe, hier gibt es keine fremden, und die einheimischen verschanzen sich hin- ter ihrem affektirten nationalsinn (an welchem übrigens nicht ein funken Wahrheit ist) und werden dadurch ganz provinziell armselig und für ihre landsleute selbst ungenüßbar, wenigstens für solche, die eine geistreiche conversation zu schätzen und zu führen wissen, und deren sind freylich sehr wenige. das Angenehme, was der hiesige Aufenthalt biethet, besteht in der völligen ungebundenheit in den materiellen, in gewisser hinsicht auch gei- stigen (z.B. in hinsicht von Buchhandlungen, Journalen etc.) ressourcen einer großen stadt, in der nähe des Auslandes zum Behufe kürzerer excur- sionen und in der materiellen schönheit der stadt mailand. dagegen steht man nirgends so allein, führt man nirgends ein so einförmiges leben und muß nirgends jede gemüthliche sowohl als den geist aufregende conversa- tion und umgang entbehren, als hier. Würde man z.B. glauben, daß, nach- dem ich nun seit bald 3 Jahren hier bin und doch wahrhaftig nicht zu den ungeselligen menschen gehöre, ich jetzt, wo die scala geschlossen ist, darauf reducirt bin, den größeren theil meiner Abende zu hause zuzubringen, wor- über ich zwar gar nicht ungehalten bin. ich fühle mich nämlich nicht dazu aufgelegt, die langweilige, einfärbige, sich ewig wiederholende coterie der 3 oder 4 hiesigen deutschen Weiber zu frequentiren, und somit bleibt mir nichts anders übrig, als meine Abende in single blessedness zuzubringen, ausgenommen wenn ich zu meiner schwester, zu spaur, höchst selten zu Berchtold gehe, oder zuweilen, was immer eine Art von ereigniß ist, in einen italienischen salon meinen fuß setze. so brachte mir die letzte Zeit ein paar musikalische soiréen: eine bey meiner freundin carpani, zu der ich oft und gerne gehe, weil sie von geist und Witz, freylich meistens ziemlich unlautere Witze, übersprudelt, wo Joseph Poniatowsky, die sanchioli und carissimi, vitali, spagliardi etc. sangen. eine andere Abendakademie hatte ich letzthin beym berühmten compositeur vaccaj im conservatorio, wo eine Polin, frau v. hippersthal, die sanchioli und franchetti, daville etc. die norma sangen. Alles das sehr schön, doch ausschließlich für die ohren, höchstens auch noch für die Augen. ich habe wieder etwas für die unsterblichkeit geschrieben, nämlich eine Arbeit in die Allgemeine Zeitung. es stand letzthin ein Aufsatz aus triest darin, worin von der bevorstehenden eröffnung des handels nach china, von dem durchstiche der landenge suez als von ausgemachter sache, und sonach von der ungeheuern Zukunft des triester handelsverkehrs mit ost- indien in viel zu sanguinischen Ausdrücken gesprochen wurde. das reizte
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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