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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 377 -
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3779. April 1843 mich zu einer erwiederung, um, ohne diesen hoffnungen und Bemühungen die gebührende Anerkennung zu versagen, sie auf ihren wahren Werth zu- rückzuführen, und zugleich die weit größere Wichtigkeit darzuthun, welche der handel mit süd- und mittelamerika für oesterreich und deutschland habe. ich schrieb denn auch sogleich einen Artikel, welcher etwas lang aus- fiel, worin ich aber ohne Anspruch auf vollständigkeit und system bloß flüchtig die hauptumrisse meiner ideen hinwarf und vornehmlich durch numerische daten das auffallende verhältniß nachwies, in welchem die einfuhr Amerikas in den hauptgegenständen des Welthandels (Baumwolle, Zucker, caffeh, tabak, cacao, indigo, häute etc.) zu der einfuhr derselben Artikel aus anderen Welttheilen steht.1 es ist meine Absicht, diese meine überzeugung von der immensen Wich- tigkeit des amerikanischen handels in längern Artikeln in der Allgemeinen Zeitung zu entwickeln und so auf die öffentliche meinung in oesterreich, und vielleicht auch auf die regierung, zu gunsten meiner Pläne zu wirken. um aber die dazu nothwendigen materialien und neuesten fortlaufenden mittheilungen aus den genannten ländern zu erhalten, bath ich dr. kolb, als ich ihm den obigen Aufsatz zusandte, mir dieselben von dr. friedrich list, dem großen Zollvereinsagitator (wie ihn die englischen Journale nen- nen) zu verschaffen. niemand ist wohl in deutschland im Besitze so umfas- sender verbindungen als er. nach ostern denke ich auf 2–3 tage nach triest zu gehen, bisher konnte ich nicht wegen der rekrutirung bey der delegation, während charwoche und ostern lassen sich keine geschäfte abmachen, und am 4. oder 5. may muß ich jedenfalls wieder hier seyn, weil da die rekrutirung von neuem anfängt. daher ist mir die Zeit ziemlich genau vorgeschrieben. leider ist am 26. generalversammlung der gesellschaft des lloyd in triest, daher die herrn eben um diese Zeit sehr beschäftiget. dieser tage hatte ich eine ziemlich lebhafte diskussion mit dem erzher- zoge, und zwar über das Pönitentär-system. ich hatte nämlich eine Audi- enz bey ihm, und das gespräch kam auf die in Piemont kürzlich errichteten neuen strafhäuser nach dem Auburn’schen system (welche ich mir vor- nehme, bey gelegenheit einmahl zu besuchen).2 da wurde der vicekönig mit einem mahle ganz hitzig und erklärte, daß er ganz gegen diese neuen sy- steme sey, obwol diese nun zur modesache geworden wären, er aber sey kein mann nach der mode. da seyen unsere gegenwärtigen gefängnisse noch viel 1 Allgemeine Zeitung (Augsburg) v. 12.4.1843, Beilage 773–775: deutschland und der mit- tel- und südamerikanische handel im vergleich mit dem indisch-chinesischen. Aus der österreichischen monarchie. ende märz. 2 vgl. zur gefängnisreformdebatte eintrag v. 19.1.1843.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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