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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 384 -
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Tagebücher384 enge verbindung träten, einen gemeinsamen Plan, natürlich unbeschadet der größtmöglichen freyheit und der individuellen verhältnisse jedes einzel- nen, festsetzten und befolgten, und eine Art von comité directeur errichte- ten, welches ihnen die einzuhaltende tendenz in großen Zügen vorschriebe. Jährliche versammlungen der deutschen Publizisten, wie es die Philologen, naturforscher, Ärzte etc. halten, wären ebenfalls sehr gut in vielfacher Be- ziehung. eine solche stellung in diesem comité directeur, gleichsam an der spitze der deutschen tagespresse und ihr die richtung gebend, würde ich mir als ganz besonders schön und beneidenswerth denken. und eben jetzt wäre ein solches systematisches vorsichtiges Zusammenwirken doppelt ge- bothen, da der liberale fortschritt deutschlands in einer entscheidenden krisis begriffen ist. der könig von Preußen steht eben jetzt wie hercules am scheidewege und weiß nicht, ob er auf der eingeschlagenen liberalen Bahn weiter schreiten, oder ob er zurückgehen soll, und großentheils dürfte die entscheidung von dem Benehmen der Presse abhängen. Würde man mich fragen, so wäre mein rath der, ihn bey seiner eigenliebe, welches seine schwache seite zu seyn scheint, geschickt zu fassen, um ihn zum muthi- gen fortschritte zu bestimmen. man müßte es auf eine geschickte Art ein- streuen, daß es sich nun darum handle zu sehen, ob er wirklich der ausge- zeichnete geistes- und charakterstarke fürst sey, für den man ihn gehalten, oder nichts mehr als ein ganz gewöhnlicher mensch. liberale Anwandlun- gen, haschen nach Popularität, müßte man sagen, das verspüre heutzutage ein jeder mensch, aber das einmahl begonnene Werk durchführen, sich über das geschrey und die einflüsterungen seiner mittelmäßigen, beschränkten umgebung, über das Zetergeschrey alltäglicher gewohnheitsmenschen hin- wegsetzen, das sey die sache eines wahrhaft großen königs. dergleichen Argumente ad hominem sind oft überzeugender als alle anderen, und ich glaube, sie würden auch hier ihre Wirkung thun. das Blatt aber, welches vor allen anderen am vollständigsten und ent- schiedensten seinen Platz ausfüllt, ist das neue Zollvereinsblatt von list, es ist schon gegenwärtig beynahe zu einer politischen kraft angewachsen und erregt tagtäglich den Ärger der englischen Journale, gegen deren Anmaßun- gen und lügenhafte vorspiegelungen es besonders, und zwar mit einer un- barmherzigen logik und sachkenntniß, zu felde zieht. namentlich brachten die letzten nummern höchst merkwürdige Aufsätze über die Zukunft der deutschen korn- und Wollausfuhr nach england, welche von den englän- dern selbst und bey uns von den Anhängern des freyen handels, d.h. geg- nern der schutzzölle, uns deutschen als ein Aequivalent für eine inländische industrie vorgehalten wird. in diesen Artikeln aber wird nachgewiesen, daß binnen ein paar Jahren uns Beydes entgangen seyn wird: die kornausfuhr durch die nun freygegebene einfuhr aus canada, welches sowol sein eige-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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