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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 385 -
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38515. Mai 1843 nes als das getreide der vereinigten staaten, das nur 3 shilling je Quarter Zoll zahlt, nach england bringen wird. die Wollausfuhr aber durch die unge- heuer steigende Produktion der englischen colonien in Australien. [mailand] 7. mai gestern wurde mir wieder eine Beurtheilung „oesterreichs etc.“ zugeschickt, und zwar in der nummer der, jetzt unterdrückten, rheinischen Zeitung (cöln)1 vom 12. februar. es ist ein langer Artikel, der hauptsächlich darauf hinausgeht, mich gegen die Benennung „lehensvetter von Bülow cumme- row“ und den vorwurf ausschließend aristokratischer tendenzen, welche in dem Artikel der Allgemeinen Zeitung vom 13. Jänner enthalten waren, zu rechtfertigen. Also mir gerade recht, denn jener vorwurf war eben so unge- gründet als perfid. ich möchte doch meinen unbekannten freund und cham- pion kennen. der Artikel findet mich ganz erklecklich liberal und stellt mich daher weit über Bülow, er lobt mich sehr und schimpft entsetzlich über die „Augsburgerinn“. Auch rechtfertigt er mich glänzend gegen die Beschuldi- gung eines „ungeheuer verkehrten historischen Blickes“, welche mir eben jener Artikel der Allgemeinen Zeitung deßwegen zuwarf, weil ich von den verdiensten des englischen Adels um ihre freyheit und constitution sprach. nebenbey wieder eine menge wörtlicher citationen, jedoch in Auszügen, die nicht immer mit geschmack gemacht sind. es wunderte mich, in der ultraradikalen rheinischen Zeitung einen so liberalkonservativen, dem reformirten nach englischem muster eingerichte- ten Adel so günstigen und meinen Ansichten so ganz beystimmenden Artikel zu finden. er nimmt meine Parthey mit einem solchen eifer, daß er gegen die „Augsburgerinn“ zuweilen ganz spitzig wird. dieses mag es auch seyn, was ihm die Aufnahme in dieses Blatt verschaffte. mein roman mit der Bianconi geht son grand train und ist mir schon deß- wegen ganz angenehm, weil sie in monza wohnt, daher doch nur an gewissen tagen herein kommen kann, und ich somit durch dieses verhältniß durch- aus nicht in meiner freyheit beschränkt werde. gestern vormittags hatte ich eben die beyden schwestern Berndis bey mir zum frühstücke, als sie ganz unverhofft kam und mir gemeldet wurde. Zum glücke konnte ich einen vorwand ersinnen, um sie zu entfernen, sonst hätte es einen sturm gegeben, denn es ist eine ächte italienerinn de pas sang. [mailand] 15. mai es will noch immer nicht recht sommer werden, das Wetter ist veränderlich und noch ziemlich kühl. 1 die rheinische Zeitung (chefredakteur karl marx) war ende märz 1843 verboten worden.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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