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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher388 ohnehin ende Juny nach Wien abreisen wird. gabrielle geht denn vorerst nach Wien und von dort Anfangs July nach carlsbad. meine Projekte für den sommer sind ende July oder Anfang August (ende Juny hoffe ich, wird der verlangte Bericht über mich von seiten der delegation erstellt werden) über den simplon oder die vallée d’Aoste in die schweiz und von da nach BadenBaden zu gehen, wo ich so lange bleiben will, als es mir gefallen wird, was dann weiter geschieht, wird von einer menge umstände abhängen. es ist noch immer kaum frühjahr geworden, es regnet fast alle tage und ist früh und Abends noch sehr kühl zur großen verzweiflung der seidenzüch- ter. ich habe vor mehreren tagen endlich nach langem unterhandeln den verkauf von Papariano an die Brüder Bregart bewerkstelliget und den ver- trag unterschrieben, ich glaube, keinen üblen handel gemacht zu haben, und bin froh, diese sorge los geworden zu seyn. doch läßt sich nicht läugnen, daß es mit meinem vermögen stark abwärts geht, und daß, wenn nicht binnen wenig Jahren eine Änderung in meiner lage eintritt, ich aufliegen werde. die erzherzoginn marie louise war vor einigen tagen hier, sie kam von Piacenza, blieb nur anderthalb tage hier und kehrte dann zurück. ich sah Bombelles und die hofdame Zobel im französischen theater, wo auch die erzherzoginn war, und man les premières armes de richelieu gab. übrigens ist die gesellschaft herzlich schlecht, das theater sehr leer und nur taxis, der mit mir die theaterloge genommen hat, ein pilier desselben. übermorgen, als am nahmenstage des kaisers, geschieht die feyerliche grundsteinlegung zur eisenbahn nach venedig durch den erzherzog. von erzherzog carl ferdinand sind bessere nachrichten eingelaufen. [mailand] 1. Juni morgen Abends reise ich von hier ab, und am 12. früh werde ich wie- der hier zurück seyn. da ich mit dem dampfschiffe von venedig sowohl hin als herfahre, so werde ich beyde mahle anderthalb tage in venedig bleiben müssen, worüber ich aber gar nicht ungehalten bin. ich liebe venedig sehr, und nebstdem wird mir dieser kurze Aufenthalt einmahl als vorbereitung und das andere als erholung dienen. gabrielle ist am 29. abgereist. tags darauf, als dem nahmenstage des kaisers, war die feyerliche grundsteinlegung zur mailand-venediger eisen- bahn durch den vicekönig, die feyerlichkeit war recht hübsch, trotz der ste- chenden sonnenhitze. venedig 5. Juni vormittags Am 2. um 6 uhr Abends verließ ich mailand, mit mir war ein hier ansässi- ger Beamter signore Pirzio, ein sehr anständiger mann, welcher mich noch
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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