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Juni 1843
worleans und charleston) und brasilischen (rio und Bahia) Plätzen und
nebstbey noch ein Paar aus havana herrühren, so betrafen sie doch mei-
stentheils die dortigen Ausfuhren, nicht aber den import europäischer Ar-
tikel. Andere dokumente besitzt der lloyd nicht.
denselben Abend verbrachte ich bey frau v. göschen mit stadion, lut-
teroth und hauptmann körber. tags darauf, gestern, war ich um 7 uhr
wieder auf den Beinen und ging auf den lloyd, wo ich lange mit Bruck in
den Arkaden des tergestums auf und ab spatzierte. er versprach mir, alle
die materialien, welche in triest aufzutreiben wären, sammeln zu lassen
und mir zu schicken, obwol er meinte, daß dieses nicht viel betragen würde.
im laufe des vormittages hatte ich dann noch bey mir längere unterre-
dungen mit den zwey einzigen männern, welche, wie Bruck sagte, in triest
über jene länder kenntnisse besäßen, und die er mir daher geschickt hatte.
der eine war der chef des hauses Buschek in Bahia herr Breisgen, dessen
kenntnisse sich vornehmlich auf Brasilien, cuba und BuenosAyres erstreck-
ten, der andre capitaine leva, welcher bereits 4 mahle in lima und valpa-
raiso gewesen war, die schlichte einfache manier dieses letztern und seine
praktischen Ansichten gefielen mir sehr, umsomehr, da er mir sagte, daß er
keine andern Plätze der Welt für triest so wichtig glaube als die häfen des
stillen meeres. Bey der letzten ladung, die er für rechnung eines in valpa-
raiso etablirten italieners Alessandri (der jetzt österreichischer Agent dort
werden soll) dahin führte, gewann Alessandri 100.000 colonnati, es waren
Quincailleries, Wägen, glaswaaren, stahl, mehl, ordinäre tücher etc. Ja er
sagte, daß sehr viele genueser, die doch bekanntlich häufig dahin gehen, bey
sich nur mehlspeisen und marmor laden und im übrigen ihre ladung bey
uns machen, und statt jener schweren Ballastgüter hätten wir Bretter und
faßdauben.
Beyde versprachen mir die ihnen zu gebothe stehenden materialien mit-
zutheilen, besonders die leva’s, hoffe ich, dürften interessant seyn, doch
hatte er sie leider in lussin, seiner vaterstadt, so daß ich sie erst in einem
monathe bekommen kann.
später besuchte ich öttl, welcher einer unpäßlichkeit halber zu hause
gefesselt war. Auch ihm als dem Präsidialsekretär stadions sprach ich per
longum et latum von meinen Absichten, um so mehr, als er der erste war,
an welchen ich mich schon vor mehr als einem Jahre wandte, um stadions
Ansichten zu erfahren. übrigens bedarf es bey stadion’s thätigkeit keines
Anspornens, sobald er einmahl von der Wichtigkeit einer sache überzeugt
ist.
Wenn man nimmt, daß ich nebst allen diesen und noch andern dahin ein-
schlägigen geschäften noch eine unzahl unausweichlicher visiten im gu-
bernium und außerhalb zu machen hatte, daß ich gleichzeitig mit meinem
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Band I
- Titel
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Untertitel
- Tagebücher 1839–1858
- Band
- I
- Autor
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Herausgeber
- Franz Adlgasser
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2011
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 744
- Schlagwörter
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Kategorie
- Biographien