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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 396 -
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Tagebücher396 noch einmahl auf dem canal grande herum fahren, und um 8 uhr Abends verließ ich venedig, leider im eilwagen, da der courier schon besetzt war. doch hatte ich gute gesellschaft, einen jungen norddeutschen, rudolph crons, und ein ehepaar, der mann ein schon ältlicher doch noch sehr leb- hafter in Venedig wohnender Franzose, die Frau eine flinke junge niedliche venezianerinn, das waren die interessantesten individuen. sonntag früh waren wir in vicenza, mittags in verona, Abends zum souper in Brescia, und über Bergamo gestern montag 1/2 9 uhr früh in mailand. hier hatte ich gleich die angenehme überraschung, daß sich mein engli- sches tilburypferd, ein superbes thier, durch die dummheit meiner leute den linken hinterfuß bis auf den knochen aufgerissen hatte. sonst fand ich eine unzahl Briefe, Zeitungen etc., darunter ein schreiben von Auguste [horrocks], worin sie mir über die glatterdings ablehnende Art vorwürfe macht, womit ich auf die heirathspropositionen ihrer mutter geantwortet. das ding fängt an mir langweilig zu werden. Julie samoyloff ist seit 8 tagen hier, empfängt aber Abends nicht, son- dern bringt sie Alle bey der Berchtold zu!!!! Wie sich die Zeiten ändern. ich hoffe sie heute zu sehen. taxis ist heute früh mit seinem regimente ab- marschirt, die straßen waren voll menschen, obwol es 8 uhr morgens war. im teatro rè gibt eine familie von kindern (vianesi) opernvorstellungen, welche außerordentlich seyn sollen. die schöne mad. duvernay habe ich noch nicht wieder gesehen, weiß auch nicht, ob sie nicht schon abgereist ist, und hoffe es beynahe, weil ich sonst nicht recht wüßte wie loszukommen, ich habe mich ein bischen zu weit aventurirt. elise Berndis hat sich diese tage, als wäre es ein spaß, ihre halsdrüsen ausschneiden lassen, um an der stimme zu gewinnen, ich gestehe, daß ich ihren muth nicht hätte. Was mir sehr unangenehm ist, ist, daß ezherzog stephan, wie ich hier hörte, schon Wien verlassen hat, mein Brief war also umsonst, und ich muß auf einen andern Ausweg sinnen. Aber welchen? stadion meinte, wenn erz- herzog stephan weg wäre, so sollte ich selbst nach Wien gehen und kübeck persönlich für jene direkte Befragung stadions zu gewinnen suchen. das geht aber nicht an, weil ich jetzt, wo mein Avancement nächstens zur spra- che kömmt, keinen urlaub, am wenigsten aber einen nach Wien nehmen kann. Wen soll ich also an meiner statt vorschieben? darüber muß ich nun nachdenken. Jetzt bin ich noch zu sehr beschäftiget, und meine gedanken noch zu confus, in ein Paar tagen gibt sich Alles. Welsch ist mittlerweilen von leipzig zurückgekehrt und hat mir man- ches Interessante von da her mitgebracht. Campe bereitet eine 3. Auflage von „oesterreich und seine Zukunft“ vor, nachdem die zwey ersten, jede zu 2000 exemplaren, bereits vergriffen sind! in lugano wird das Buch so eben
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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