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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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40115. Juli 1843 [mailand] 15. Juli nachdem es durch 6–7 tage schön und heiß gewesen, hat sich nun seit einer Woche das frühere schlechte Wetter, regen und kälte wieder ein- gestellt, das ist doch ein heilloser sommer, es dürfte wohl ein allgemeines mißjahr werden. mir wirkt es förmlich auf die nerven und durch diese auf das moralische. vielleicht ist es auch, daß ich schon zu lange ruhig gesessen bin, ich sehne mich nach meiner reise wie nach der erlösung, will’s gott, so werde ich sie noch ende dieses monats antreten, einen strich durch die rechnung aber hat mir der tod unseres gesandten in der schweiz, Bom- belles, gemacht, welcher so eben in Wien gestorben ist. ich hatte gehofft, in luzern, wo eben die tagsatzung versammelt ist, in dem hause meiner alten freundinn Bombelles einige angenehme tage zubringen zu können, und das ist nun vorbey. meine Absicht ist jedoch noch immer, vorerst dahin zu gehen, reinhard’s dort zu besuchen, und dann nach deutschland, vor Al- lem nach BadenBaden, das Weitere wird sich finden. Aber es ist mir schon lange nicht so grau und trostlos zu muthe gewesen wie jetzt, so ganz ohne Projekte, ohne energie oder eigentlich ohne einen gegenstand, auf welchen ich sie richten könnte. mein mémoire an kübeck habe ich zwar vollendet sowie das einbegleitungsschreiben an ihn, und es werden Beyde so eben abgeschrieben, auch bin ich damit ziemlich zufrieden, aber ich weiß nicht, warum ich mir davon keinen sonderlichen erfolg verspreche. Auch sonst habe ich nichts, was meine gedanken beschäftigte, vielleicht mag dieses bloß eine vorübergehende folge meiner Abspannung aus langer Weile seyn, vielleicht auch nicht, gewiß ist, daß mich jetzt nichts aufregt, mir nichts freude macht als allenfalls immermann’s münchhausen, den ich mit wah- rem vergnügen lese.1 neulich sagte mir Pachta bey einem diner bey spaur, er wisse aus gu- ter Quelle, daß ich als gubernialsecretär nach venedig kommen dürfte. das verstimmte mich eine Zeit lang, es würde mir schwer fallen, mich von meinen hiesigen gewohnheiten und verbindungen loszureißen, und haupt- sächlich fürchte ich den Provincialismus und die gedankenarmuth des kleinstädtischen venedig’s. doch muß ich von hier weg, so ist venedig mir noch weit aus das liebste, in materieller und gesellschaftlicher hinsicht würde ich sogar nur gewinnen, denn in dieser Beziehung ist mailand er- bärmlich langweilig. letzthin starb der arme stanoevich nach langem leiden an der lungen- schwindsucht, ich sah den leichenzug. marmont ist hier und reist nach der schweiz. erzherzog carl ferdinand kam auf ein paar tage hieher, um 1 karl leberecht immermann, münchhausen. eine geschichte in Arabesken. 4 teile (düs- seldorf 1838–1839).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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