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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 405 -
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4054. August 1843 sich um frau v. gérancourt, eine lebhafte, noch ziemlich junge und hübsche frau. Auf den folgenden tag war ein theater arrangirt, und diesen nämli- chen ersten Abend wohnte ich im salon einer vorleseprobe bey, worin ein mr. Bourcard und eine marquise Pallavicini aus genua die komödie von Scribe: A qui la faute? ganz vortrefflich lasen. Alles engagirte mich zu blei- ben, und ich willigte um so unbedenklicher ein, als es noch denselben Abend zu regnen anfing und wirklich den ganzen folgenden Tag fortregnete. Die- ser verstrich mir dann trotz meiner Befürchtungen ziemlich schnell, theils bey Porro, der eine Art von Bade-lion ist, theils im salon meines hôtels und beym Whistspielen mit einigen herrn, theils in der Badeanstalt. es badet hier nämlich Alles gemeinschaftlich in 4 abgetheilten carrés, worin die Badenden frühstücken, lesen, schachspielen, arbeiten etc. und die Be- suche der nichtbadenden empfangen. die Quelle ist sehr ergiebig, eisen- haltig, und hat 42° r. hitze, so daß man das Wasser den Abend vor dem Bade schöpfen muß, damit es etwas abkühle. es ist vornehmlich für haut- krankheiten (dartres) und für die leber, wie man sagt von erstaunlichen Wirkungen. Auch spricht man da von nichts Anderem als von der poussie (einem rothen hautausschlage) und kratzt und schabt, daß man denken sollte, man wäre im reiche der flöhe angelangt. da gibt es nun leute, die von 8 bis 10 morgens und von 3–5 nachmittags (dieses sind die Badestun- den) im Wasser sitzen. von notabilitäten war in loueche aber niemand als der Banquier fould aus Paris und der große industrielle koech lin aus mülhausen, den man monsieur Queuquelin nennt, von hübschen frauen, soviel ich sah, nichts als die genannten und eine sehr niedliche kleine Wal- liserinn aus sion, die frau des kantonalpostdirektors (wie sie mir sagte, den nahmen vergaß ich zu erheben), welche ihre Walliser haube allerliebst ließ [sic], und der ich ein Bischen die cour machte. Abends also war das größte spektakel, nämlich: vorstellung einiger cha- raden und dann einer Posse: les fureurs de l’amours. das theater war im salon aufgeschlagen und sah recht ordentlich aus, wir Alle hatten daran gearbeitet, das ehepaar gérancourt, die mitspielenden, ein alter mr. de martinville, der parochus loci und ich, bey der vorstellung gab es viel zu lachen über einen als frau travestirten herrn und besonders weil niemand seine rolle wußte, sondern am ende à son tour stecken blieb. nachdem dieses glücklich überstanden war, wurde getanzt etc. bis 11 uhr, was nach dortigen Begriffen ein großer exceß war. heute früh klärte sich das Wetter theilweise auf, und ich beschloß da- her, trotz aller Zureden und Warnungen meiner louecher freunde über die gefürchtete gemmi zu gehen. um 11 uhr waren bereits meine sachen gepackt, mein maulthier bereit und meine rechnung bezahlt, als es wie- der zu regnen anfing, und die Gemmi sich mit Wolken bedeckte, in diesem
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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