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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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4076. August 1843 jedoch mit einer sehr schönen Aussicht zuerst auf das garstelln1- dann auf das kander-thal, einige schöne Wasserfälle etc., endlich, wie man in die ebenen des kanderthals kömmt, führt ein guter fahrweg in einer halben stunde nach kandersteg, wo ich mit anbrechender nacht ankam. meine füße waren müde und matt. das Wetter war bis auf einige re- genschauer und oben am schwarzenbach (der schauerlichsten einöde, die mir je vorgekommen) ein Bischen schnee ziemlich günstig, theilweise sogar sehr schön gewesen, oben auf der gemmi zwar grimmig kalt und windig. doch blieb ich trotz aller einladungen des Wirthes nicht in kandersteg, sondern fuhr in einem bereits im voraus bestellten Wagen sogleich weiter und hieher, wo ich nach anderthalb stunden kam und in einem recht net- ten und artigen Wirthshause abstieg. niemand kann die Wollust beschrei- ben, mit der ich in meinem einspänner saß, als wäre es der luxurieuseste Wagen europas. Am stad bey Alpnach (unterwalden) am vierwaldstädtersee 6. August Abends gestern frühe verließ ich frutigen und fuhr durch das schöne kanderthal weiter. Wie die schweiz vor allen andern ländern europas schön und ro- mantisch ist, so ist das Berner oberland eine schweiz in der schweiz, nicht nur die natur, die hohen Berge und üppige vegetation, sondern auch die menschen, trachten und Wohnungen haben einen ganz eigenen charakter. von spiez aus fuhr ich längs den ufern des thunersees fort, bis ich nach einer äußerst schönen fahrt von ungefähr 4 stunden in interlaken ankam und im hôtel du casino abstieg. interlaken, an das sich für mich so viele angenehme reminiscenzen knüpften, fand ich seit 1839 wenig oder gar nicht verändert, sogar das da- mals im Bau begriffene casinogebäude war noch immer nicht weiter gedie- hen, nur leerer und daher weniger lebhaft als damals fand ich es, welches aber heuer überall in der schweiz der fall ist, des schlechten Wetters und der ungewöhnlichen kälte wegen. Besonders diese letztere treibt auch mich von dannen, ich fror alle diese tage über und friere noch gegenwärtig wie ein hund. daß man in interlaken beynahe nichts als englisch sprechen hört, ver- steht sich, von Bekannten fand ich niemand, obwol ich alle Pensions durch- stöberte, und verbrachte daher meinen tag theils mit spatzierengehen, theils im lesecasino, wo ich auch noch zu dem schlusse eines der uralten mir wohlbekannten Jodel-concerts der schwestern vannaz kam. ein paar hübsche engländerinnen wohnten in meiner Pension und speisten mit mir 1 richtig gasterntal.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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