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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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4099. August 1843 hader, und allem Anscheine nach ist bisher nur der erste Akt und vielleicht der unblutigste des großen dramas zu ende. Wie aber espartero’s fortdau- ernde unthätigkeit erklären? er hätte als soldat, fechtend bis zum letzten Augenblicke, fallen können (und dann wäre er wahrscheinlich nicht gefal- len) oder er hätte, als er das umsichgreifen der insurrection wahrnahm, mit einer freymüthigen, männlichen Proclamation abdanken sollen, sich gleichsam als opfer für die ruhe der nation darbiethend, wie napoleon nach Waterloo, und dann hätte er viele chancen gehabt, nach kurzer Zeit als triumphator zurückgerufen zu werden. Alles wäre besser gewesen als diese unthätige und doch eigensinnige hartnäckige Ausdauer. es scheint aber, als ob unsere Zeit keinen großen charakter aufkommen lassen könne. lucern 9. August Abends ich sitze nun den dritten tag hier und thue mir gütlich. das herumsteigen in den Bergen habe ich satt, und wie das mir schon gewöhnlich geht, ist es, seit ich hier bin, das herrlichste Wetter von der Welt, während ich immer mit regen und kälte zu kämpfen hatte, so lange ich unterwegs war. vorgestern früh verließ ich Alpnach in einem Boote und fuhr nach Win- kel, von da spatzierte ich in 3/4 stunden zu fuße hieher und stieg in den Balances ab. ich habe eine hübsche Wohnung mit einer superben Aussicht und fühle mich ganz behaglich. ich habe viele Bekannte gefunden: vor- erst Gräfin Bombelles, welche in einer Campagne vor dem Thore wohnt, bey ihr meine gute Betsy. Dort bringe ich alle meine Abende zu. Gräfinn ida ist oder thut wenigstens sehr traurig, weinte mir den ersten Abend ein gutes stück vor, wünscht zu sterben und ist einen Augenblick später gerade so ausgelassen lustig wie vor Zeiten, sie sprach mir auch von ihren körperlichen leiden, die nichts weniger als der stein sind, sie möchte dieß Jahr noch nach recoaro und den Winter in Parma zubringen, wohin ma- rie louise sie eingeladen hat.1 eine merkwürdige thatsache, die sie mir erzählte, ist der spuk, den es, während ihr mann in Wien starb, durch 5–6 tage in ihrem hause gab, und der in dem momente erst aufhörte, wo der französische Botschafter bey ihr erschien, um ihr den tod des grafen anzu- kündigen. es klopfte an allen thüren, schlug an den fenstern etc., rauschte nachts über die fußböden und im garten, als ob da gemäht würde etc. sie selbst war damals leidend und ahnte keine Bedeutung dieses lärmens, sondern erklärte sich ihn auf natürliche Weise, erst später, als sie den tod ihres mannes erfuhr, besann sie sich, daß dieses in einem Zusammenhange 1 Der Gatte von Gräfin Ida Bombelles, der österreichische Gesandte in Bern Graf Ludwig Bombelles, war am 7.7.1843 gestorben. dessen Bruder charles-rené war seit 1834 mit marie louise fürstin v. Parma verheiratet.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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