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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 412 -
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Tagebücher412 sagte, die hülfsmittel der stadt sehr bedeutend seyen, die der landschaft hingegen nur geringe, so daß jene sich, als sie für Beyde ausreichen muß- ten, zersplitterten. daran mag etwas Wahres seyn. dessenungeachtet ennuyirte ich mich den Weg über weidlich, und als ich mich auf dem misérabeln Pflaster müde gegangen hatte, meinen Banquier Passavant besucht und hie und da einige kleine einkäufe gemacht hatte, war ich froh, mich um 9 uhr zu Bette zu legen, nachdem ich die prima sera auf ächt deutsche Weise in einem schönen kaffehhause jenseits der rhein- brücke bey Bier, käse und Brod verbracht hatte. ich nahm mir im gasthofe einen lohnbedienten nach BadenBaden mit, da ich die unmöglichkeit ein- gesehen hatte, noch länger, wie bisher, ohne Bedienten in der Welt herum- zuziehen, und sandte ihn sammt meiner Bagage hieher voraus. gestern, sonntag, morgens um 11 uhr fuhr ich im omnibus meines gasthofs nach s. louis zu der eisenbahnstation, und um 12 ging der con- voi ab, es wunderte mich, daß mir der conducteur nicht erlaubte, in ei- nen leeren Wagen zu steigen, indem er mir sagte: il n’est pas permis d’être seul en voiture. übrigens fuhren wir ziemlich langsam, und es wurde alle Augenblicke bey nicht weniger als 27 stationen angehalten. das land ist in der Nähe von Basel ziemlich öde, flach und langweilig, nach und nach aber, wie man in die nähe der vogesen kömmt, welche man fortwährend in der entfernung von ungefähr einer halben stunde cotoyirt, recht freund- lich und zuweilen sogar malerisch, besonders durch die menge zerstörter ritterburgen, welche freylich mit den vielen großen fabriken, denen man begegnet, auffallend kontrastiren. die Bahn berührt mühlhausen (von wo die Zweigbahn nach thann geht) und colmar und geht bis königshofen, von wo man mit omnibus in 1/4 stunde nach strassburg gebracht wird, wo wir gegen 1/2 6 anlangten. ich stieg wie sonst im hôtel de Paris ab. da eben sonntag war (welches übrigens nicht hinderte, daß die meisten läden offen standen und selbst auf dem felde, wie ich unterwegs gesehen hatte, gearbeitet wurde) so war große Bewegung von spatziergängern auf der Pro- menade und militärmusik. strassburg ist eine schöne, aufblühende stadt, und noch viel mehr so ist es das land, das ganze elsaß, und mit Ausnahme des gemeinen volkes schon sehr französisch geworden, das that mir wehe. das elsaß wäre für deutschland eine Perle gewesen, warum dachte man 1815 nicht daran? der Augenblick wird wohl schwerlich wieder kommen. man hatte mir gesagt, die Ackerbaukolonie ostwald bey strassburg (bey der die eisenbahn vorbey geht) wäre von communisten nach fourier’s Prinzipien angelegt, und ich hatte daher die Absicht, heute morgens noch hinaus zu fahren, um sie zu besichtigen, in strassburg aber erfuhr ich, daß dieses durchaus nicht der fall sey, sondern daß es städtische grundstücke
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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