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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 413 -
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41319. August 1843 sind, welche die municipalitaet durch arbeitsfähige aber arbeitslose Arme der stadt bebauen läßt, welche dann auch sammt ihren familien dort woh- nen. da ich darüber näheres zu erfahren wünschte, so ging ich heute noch auf die mairie, wo man mir mit vieler Bereitwilligkeit die darauf bezügli- chen Brochuren und Pläne gab, unter anderen einen Bericht des maire, herrn schützenberger, sur les causes du paupérisme, welche nach dem, was ich bis nun davon gelesen habe, ganz vortrefflich zu seyn scheint. um 11 uhr fuhr ich wieder in einem omnibus ab, durch strassburgs endlose festungswerke an den rhein, und bestieg das dampfschiff, welches uns in 2 1/2 stunden nach iffetzheim brachte, wo die Badner omnibusse warten. von dort hieher fährt man 1 1/2 stunden. ich fand im hôtel de Bade meine Wohnung bereits bestellt, sehr freundlich mit einer hübschen Aussicht auf den garten. nach der table d’hôte ging ich zum cursaale, sah dem spiele zu etc. und traf mehrere Bekannte, darunter Arthur Bathiany, lotzbeck, grothus, Zimmermann etc. Abends war réunion, d.i. kleiner Ball, wo auch die großfürstinn hélène und die herzoginn von nassau waren. ich blieb nicht lange. Während der Zeit entstand großer lärmen, die Bank war gesprengt worden, indem rouge 17 male hintereinander passirte. [Baden-Baden] 19. August vormittag es ist nun heute der fünfte tag, daß ich hier bin, und erst seit gestern habe ich einige weibliche Bekanntschaften gemacht. man ist hier, und vielleicht mit recht, nicht so leicht im Anknüpfen neuer Bekanntschaften, da es von Abentheurern aller Art und von menschen aus der schlechtesten gesell- schaft wimmelt, die alle durch das spiel herbeygelockt werden. Zudem ist dieß Jahr die gute gesellschaft exklusiv russisch, beynahe ganz Petersburg, so ziemlich die ganze créme von dort, ist hier, darunter einige englische familien, sehr wenig franzosen, und von deutschen damen aus der großen Welt gar niemand, so daß ich auch nicht eine bekannte frau fand. Baden selbst ist ganz charmant, die Lage magnifique, und den ganzen tag über ein treiben und gewühle ohne ende, réunions 3mal die Woche, alle samstage großer Ball, wo aber die höhern klassen, wie man mir sagt, nur wenig Antheil nehmen, theater, musik, spektakel ohne ende etc. vor ein Paar tagen machte ein luftschiffer mr. margat, prémier Aëronaute de S.M. le Roi des Français, seine Ascension, die sehr glänzend ausfiel. Er fiel bey ettlingen, 1 1/2 stunden von hier, nieder. ein junger russe, veroffkin, wollte an seiner statt aufsteigen, wurde aber von der Polizey daran ge- hindert. gestern war ein sehr hübsches déjeuner (auf subscription) in der maison de chasse, 1 stunde von hier, ungefähr 130 Personen. die stunde war 2 uhr, die damen waren aber wie gewöhnlich so ungenau, daß es 1/2 5 wurde, ehe wir zu tische gingen. das diner war in dem anstoßenden Walde
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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