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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher416 deausstellung. um 10 uhr fuhr ich nach kastel hinüber und dann auf der eisenbahn hieher. Bahn und Wägen sind mit mehr luxus gebaut, als ir- gend eine die ich bisher gesehen, die beyden Wiener eisenbahnen ausge- nommen. hier scheint es zwar ziemlich voll, jedoch nichts desto weniger lang- weilig und mit Baden nicht zu vergleichen. ich aß um 4 uhr im cursaale, sah Abends im theater ein paar Akte aus robert le diable und traf dann edmund hartig, welcher von cassel, wo er chargé d’affaires ist, hieher gekommen war. Wir soupirten miteinander und trennten uns dann, da er morgen nach kassel zurückfährt. ich werde nun in einigen tagen nach frankfurt gehen, wo ich Briefe von gabrielle zu finden hoffe, die mir sagen werden, ob ich, wie ich nicht zweifle, nach dux kommen kann, oder nicht. es gibt in rußland doch mehr elemente der opposition und unzufrie- denheit, als ich geglaubt hatte. eine unzahl mißvergnügter russen haben sich freywillig expatriirt und treiben sich in unserem europa herum, und wenn sie je von Zeit zu Zeit nothgedrungen nach hause müssen, so vermei- den sie die hauptstadt und den hof. Wenn sie zu Jemand vertrauen fassen, so schütten sie ihr herz aus, und man erfährt da ganz kuriose sachen über die kleinliche tracasserie und den despotismus des kaisers nicolaus, des- sen persönliche eitelkeit und launen etc. letzthin machte mir trubetzkoi stundenlange Confidences dieser Art, und zwar keine 2 Schritte weit vom großfürsten michael, der dicht neben uns vor dem conversationshause saß. doch sind sie gewöhnlich äußerst behutsam, weil es allenthalben von russischen spionen wimmelt, die in jeder gestalt auftreten. Auch in Baden gab es solche und sehr hochgeborene. übrigens kann trubetzkoi aus seiner eigenen familie einige merkwürdige geschichten von russischer tyranney erzählen, und die vermählung seiner eben in Baden anwesenden schwäge- rinn ist eine davon. diese tage ist die vermählung des alten kurfürsten von hessen mit dem fräulein v. Berlepsch. edmund hartig erzählte mir einige merkwürdige Partikularitaeten darüber, unter andern über den unwillen des kurprin- zen (welcher übrigens ein unangenehmer, grießgrämiger, sich und sein land sekkirender Patron seyn muß), welcher nur durch die drohung seines vaters beschwichtiget wurde, selbst nach cassel zu kommen und die mit-regierung wieder zu übernehmen.1 1 kurfürst Wilhelm ii. (1777–1847) heiratete am 28.8.1843 in morganatischer (dritter) ehe die um über 40 Jahre jüngere Karoline v. Berlepsch (1844 Freifrau, 1846 Gräfin v. Bergen). er hatte sich 1831 nach hanau zurückgezogen, die regierung wurde seitdem von seinem sohn friedrich Wilhelm als kurprinz und mitregent ausgeübt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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