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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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41730. August 1843 frankfurt 30. August vorgestern wurde mir in Wiesbaden die Zeit ziemlich lange, ich versuchte zu spielen, in der hoffnung das in Baden verlorene wieder hereinzubringen, aber auch hier war mir das glück nicht hold, und so hörte ich bald wieder auf. Aus dem fremdenblatte habe ich gesehen, daß in den 4 Jahreszeiten mit mir ein herr v. Post, bremischer consul in valparaiso, wohne. diesen suchte ich daher auf und fand in ihm einen interessanten und gebildeten mann, der 16 Jahre in valparaiso gelebt hat und, wie er mir sagte, noch immer den Wunsch und die Absicht hat, dahin zurück zu kehren, er ist seit circa 10 monathen in europa. Wir sprachen lange von den dortigen handelskonjunk- turen und deren Beziehung auf deutschland und oesterreich, er hat hohe Begriffe von den ressourcen jener länder und meint, der deutsche handel dahin könne nur zunehmen, obwohl die engländer uns in der letzten Zeit manches abgejagt hätten. über oesterreich speciell enthielt er sich jedes urtheils, da ihm das land gänzlich fremd sey. er sagte mir, ich solle mich an seinen compagnon schutte in hamburg wenden, welcher mir Preislisten etc. und ähnliche détails einsenden würde.1 nachmittags war wie am tage vorher militärmusik im garten hinter dem cursaale, wo ich mit coudenhoven und einigen sehr artigen nassauischen offizieren sprach. später hatte ich in ein concert gehen wollen, welches un- ter der Patronage des hier anwesenden königes der Belgier gegeben werden sollte, doch schien niemand zu kommen, und da mir das Warten zu lange wurde, ging ich wieder ins theater, wo eine schlechte französische truppe spielte. ich saß neben einer recht angenehmen und artigen frau, wie ich später erfuhr die hofmarschallinn gräfin uexküll, und unterhielt mich viel mit ihr, und sie hätte ganz meinen Beyfall gehabt, hätte sie mir nicht zu viel von der noblesse gesprochen: la noblesse ici fait ceci, und la noblesse fait cela, was ein bischen kleinstädtisch roch. nach dem theater war réunion und Ball, der saal superb, schöner als in Baden, dagegen aber schien die gesellschaft weit schlechter, obwohl die äußere etikette der toiletten viel strenger beobachtet war als in Baden. ich sah eine Zeit lang zu und ging dann nach hause. tags darauf, am 29. verließ ich Wiesbaden um 1/2 9 uhr früh und fuhr auf der eisenbahn nach Biebrich. der mainzer convoi führt einen bis ungefähr 2/3 des Weges, dann läßt er die Biebricher los, die noch eine strecke weit al- lein fort rollen und dann durch vorgespannte Pferde nach Biebrich gebracht werden. ich besah mir das schloß, welches recht schön ist, besonders ein 1 das handelshaus schutte, Post & co. hatte 1822 die erste deutsche niederlassung im chi- lenischen hafen valparaiso gegründet.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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