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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher418 runder säulensaal als tanzsaal, dann den Park, der ziemlich klein ist, und dann die sogenannte Burg, eine alte ruine der grafen holzhausen, in wel- cher sich der herzog ein Paar nette Wohnzimmer hat herrichten lassen. um 11 uhr fuhr ich auf der eisenbahn auf gleiche Weise nach mainz (ca- stel) und da aus demselben Bahnhofe, nur in anderen Wägen nach frank- furt. Auch diese eisenbahn ist sehr schön und elegant gebaut, jedoch wie jene nur mit einem geleise, es mußten ziemlich viel hügel des schönsten Weinlandes durchschnitten werden. um 1/2 1 uhr waren wir in der station, von wo uns omnibus in die stadt führten. leider fängt eben die messe an, doch fand ich im Weidenbusch eine passable unterkunft. gabrielles Antwort habe ich hier gefunden und fahre nun morgen 31. um 1/2 10 uhr Abends nach leipzig ab. Außerdem aber traf ich hier niemand von Bekannten, lerchenfelds sind in carlsbad, graf münch in Wien, emily Winkler, die ich besuchen wollte, in soden etc. nur meine dicke drechsle- rinn an der catharinenpforte fand ich in noch kolossaleren dimensionen wieder, als ich sie verlassen hatte. Am gestrigen Abende war ein großes gesangfest auf der mainlust zum Be- sten der mozart-stiftung, wo alle möglichen gesangvereine, liederkränze etc. mitwirkten. ich ging als curiosum, und um ein solches echt deutsches fest auch einmahl zu sehen. da ich aber einen Abscheu vor kreuzer’schen, mendelsohn’schen und ähnlichen dingen habe,1 so blieb ich nicht lange, besonders da in dem gedränge weder ein bekanntes gesicht noch ein stuhl zu finden war. Baron thierry, unser sekretär bey der hiesigen gesandtschaft, der ein recht gescheidter Mensch zu seyn scheint und der mein Interesse an finan- ziellen und industriellen gegenständen wahrnahm, sagte mir heute (31.), wenn ich noch einige Zeit hier geblieben wäre, so hätte er mich mit einem in diesem Fache ausgezeichneten Manne, dem kurhessischen Oberfinanzrath rommel bekannt gemacht, von dem ich viel interessantes erfahren hätte. leider ist dieses nun nicht mehr möglich. in allen Buchläden prangt in den Auslegkästen: oesterreich und dessen Zukunft, 3. Auflage. Campe hat ein Vorwort von wenigen Zeilen dazu ge- schrieben, worin er das verspätete erscheinen der schrift erklärt. ich habe eine kleine Brochure gekauft, von einem gewissen schick, betitelt: Bemer- kungen über die schrift: oesterreich etc.,2 ein rechter nonsense wie fast Alles Andere, was darüber geschrieben worden ist. ich weiß nicht, ob alle 1 gemeint sind die zeitgenössischen komponisten konstantin kreutzer und felix mendels- sohn-Bartholdy. 2 leopold schick, einige Bemerkungen über die Broschüre: oesterreich und dessen Zukunft (leipzig 1843).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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