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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 423 -
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42312. September 1843 weiligen delegations-dienst in mailand nicht zum dritten mahle wieder anzutreten, besonders da es dießmahl ohnehin nur auf kurze Zeit wäre, da mein Avancement nun denn doch erfolgen muß. ich habe zwar von spaur eine urlaubsverlängerung so zu sagen schon mündlich erhalten, aber er- stens weiß ich nicht, was ich während des jetzt beginnenden herbstes in deutschland anfangen soll, und dann kann auch diese verlängerung ablau- fen, ohne daß eine entscheidung erfolgt. nebst diesen dingen geht mir aber noch ein drittes im kopfe herum. es ist mir nähmlich von guter Quelle her gesteckt worden, daß es nicht unwahrscheinlich sein dürfte, daß ich die legationssekretärsstelle in Bra- silien (wohin eben rechberg zum gesandten ernannt worden ist) bekäme, wenn ich sie verlangen sollte. nun wäre dieses Wasser auf meine mühle, indem ich dadurch zugleich meinen alten Wunsch in die diplomatie zu kommen erreichen würde. es frägt sich aber nun, ob dazu der gegenwärtige Augenblick geeignet sey, oder nicht? mache ich jetzt irgend einen schritt in dieser Beziehung, so könnte er, da er doch wenigstens auf den ersten Blick mit meiner mission nach America im Widerspruche steht, mir von seiten kübecks den vorwurf der inkonsequenz zuziehen, und es könnte so- mit geschehen, daß ich zwischen zwey stühlen auf der erde säße. Wenn ich aber auf der andern seite zuwarte, bis ich von kübeck eine final-Antwort und zwar eine unbefriedigende auf meine vorschläge erhalte und erst dann meine schritte wegen der stelle in Brasilien mache, so kann erstlich der wahre moment verstrichen seyn (obwohl man mir durchaus nicht sagte, daß der gegenwärtige moment günstiger sey als irgend ein Anderer, son- dern nur überhaupt davon sprach), und dann kann es sehr leicht gesche- hen, daß Fürst Metternich mir auf meine vorläufige Anfrage, welche der erste schritt seyn müßte, antworten ließe, ich solle nach Wien kommen und mich ihm vorstellen, und dieses könnte ich in einigen monathen gerade vom urlaube zurückgekehrt nicht wohl thun, wohl aber jetzt. [dux] 12. september Abends Wir haben jetzt das schönste wärmste Wetter, das man sich wünschen kann, und benützen es fleißig zu Ausflügen und Besuchen in der Nachbar- schaft, so waren wir letzthin in culm bey Westphalen, in krzemusch bey ledebur, mehrere mahle in teplitz, wo man immer eins oder das Andere zu thun hat. überall herrscht ein herzlicher angenehmer ton, dessen ich, seit ich in italien bin, ganz entwöhnt war, welchen man aber überhaupt nirgends so sehr findet als unter der böhmischen Aristokratie, wo die vie de château noch besser verstanden wird als sonst irgendwo. man gewöhnt sich sehr leicht und gerne an ein solches landleben, welches die Annehm- lichkeiten des umganges mit gebildeten und angenehmen menschen nicht
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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