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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher424 ausschließt. Auch in dux haben wir fortwährend Besuche, in diesen tagen sind viele Bekannte hier gewesen, unter andern der herzog von Beaufort (aus england) mit seiner frau und zwey töchtern. heute waren die clary’s hier und thérèse chotek, welche uns erzählte, daß egbert Belcredi in sei- ner station durch einen sturz mit dem Pferde den fuß gebrochen hat. ihr Bruder, der oberstburggraf, lebt hier in der nähe ganz zurückgezogen und weiß noch nicht, wo er sich etabliren wird. seine entlassung ist ihm nun dé- finitiv bewilliget worden und zwar in ziemlich trockenen Ausdrücken. Doch hat er dieses durch die thörichte Art verschuldet, mit der er sich zuletzt bey gelegenheit des todes seines zweiten sohnes benahm. Auch hierzu haben ihn die lächerlichen capricen seiner frau verleitet. diese hinderte ihn ge- waltsam an allem Arbeiten, und dieses war zu der Zeit, als die furchtbare hungersnoth im erzgebirge herrschte, so daß die Anzeige des kreisamtes sechs Wochen unerbrochen auf seinem tische liegen blieb! sie konnte mo- nathe lange kein männliches individuum sehen, weil dieses sie an ihren sohn erinnerte, so daß sie sich bey tische von mädchen bedienen ließen, und dergleichen unsinn mehr. nun spricht man, daß erzherzog stephan nach Prag kommen soll und stadion ihm zur seite.1 vorgestern waren wir Alle in eisenberg bey lobkowitz zum nahmens- tage der fürstinn marie. es waren viel menschen da, unter andern veriand Windischgrätz mit frau und seiner schönen tochter gabrielle. ich fand das Schloß seit 1832 ganz umgestaltet und wirklich magnifique, der ganze Berg, auf dem es liegt, zu einem superben Park verwandelt, mit Anlagen, gartenhäusern, voliéres, springbrunnen, schweizerhäusern etc., oben an das schloß ein delicioser gartensalon angebaut und Alles sehr elegant eingerichtet. gegen Abend wurde den Berg hinab gefahren in den untern gartensalon, wo ein feuerwerk losgebrannt wurde. dazwischen spielte die herrschaftliche Jägermusik (die beste Bande von Blasinstrumenten, die ich je hörte). Alles dieses zusammen, dann die menge volk, der schöne mond- schein und die superbe gegend war wirklich frappant, und das ganze war so grand seigneur als nur möglich. Wir tranken thee und goutirten im salon und fuhren dann durch die große Allee, die ganz mit bengalischem feuer erleuchtet war, wieder ins schloß. da wurde comödie gespielt, und dieses war die kehrseite des ganzen, eine unerträgliche hitze und ein langwei- liges, schlecht gespieltes, dreyaktiges stück: der steckbrief von Benedix, und noch dazu in den Zwischenakten Produktionen der lobkowitz’schen 1 erzherzog stephan kam tatsächlich Anfang 1844 als landeschef nach Böhmen, nicht je- doch graf franz stadion, der gouverneur in triest blieb. oberster Beamter in Prag blieb Altgraf robert salm-reifferscheidt, der bereits seit April 1843 als stellvertretender oberst- burggraf die landesbehörde leitete.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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