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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 428 -
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Tagebücher428 der Professoren zu lesen. dann frühstückten wir bey gabrielle und gin- gen dann aus, die schönen Boutiquen, wegen welcher leipzig berühmt ist, zu besehen. Wir machten verschiedene einkäufe bey teklenburg, schier (ein ganz besonders schöner laden), del vecchio etc. die Brockhaus’sche maschinen-druckerey und die nicolaikirche, in der luther predigte (jedoch sahen wir diese von außen) zu sehen, fehlte uns die Zeit. doch besahen wir uns die schöne Buchhändlerbörse und die kunstausstellung, welche eben darin aufgestellt war. es war ein unglaubliches und lästiges treiben in der stadt, der messe wegen, und wir waren froh, als wir wieder fort kamen. gabrielle hatte sich nämlich unterwegs entschlossen, bis Berlin und stettin zu fahren, um das meer da zu sehen, was aber, wie wir dann hörten, von stettin aus in einem tage nicht thunlich ist. vor unserer Abfahrt kaufte sie noch die 3. Auflage von Oesterreich und dessen Zukunft. – – – Wir fuhren sehr rasch in 1 1/2 stunden über halle nach cöthen. der Weg geht über ein der umgegend von leipzig ziemlich ähnliches land, mit holz bewachsene hügel, weite ebenen, viele Windmühlen. ich weiß nicht, ob durch die schnelligkeit unserer fahrt oder aus sonst einem grunde, genug, das rütteln und schütteln im Wagen war so arg, daß es mir meiner reise- gefährten wegen unangenehm war, welche beyde, gabrielle an der leber und toni an einem husten, reconvalescenten waren. in cöthen treffen die leipziger, Berliner und magdeburger Züge zusammen, weßhalb eine halbe stunde angehalten und die Personenwagen gewechselt werden. in diesem getümmel stießen wir auf Alexander tettenborn, der mit dem großfürsten michael von Berlin kam und nach england geht. Am Bahnhofe ist eine sehr elegante restauration und darüber ein spiel- haus, wo roulette gespielt wird, man zahlt 1 thaler eintritt und erhält dafür 3 spielmarken, welche man für 1 thaler setzen kann. das ganze war aber gegen Baden und selbst gegen Wiesbaden ziemlich mesquin. der herzog war auch herausgekommen, um den großfürsten zu begrüßen.1 von cöthen aus wird die gegend recht anmuthig und belebt bis hinter dessau, viele hübsche nette häuser, viel Wald, kurz das ganze sieht einem englischen Parke sehr ähnlich, man passirt die elbe auf einer sehr schönen Brücke. Wittenberg, wo angehalten wird, konnten wir leider nur von Außen sehen, doch sahen wir ganz deutlich den berühmten dom, von welchem die reformation ausging, er sieht mit seinen zwey niedern runden thürmen einer Art von taubenschlag ähnlich, und es werden daselbst die trauringe luthers und catharinas von Boren aufbewahrt. hinter Wittenberg fängt die mark an, traurige sandebenen, nur hier und da mit Nadelholz bepflanzt, weit und breit keine Wohnungen, dagegen um 1 cöthen (köthen) war hauptstadt des herzogtums Anhalt-köthen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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