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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher430 ebenfalls von seiner hand: di federico, Bücher mit seinen randglossen, Augenschirm, uhren, die von der frau von Pompadour herrühren, end- lich das cabinet, worin er mit voltaire (der vis-à-vis sein haus hatte) und d’Alembert speiste und mittelst einer maschinerie ganz ohne Bediente be- dient wurde. dann kommen die Prachtzimmer, die wirklich sehr schön sind und werthvolle gemälde, vasen, Pietra-dura Arbeiten etc. enthalten. An den Wänden der Corridors hängen Porträts der Garde Offiziere aus den Zeiten friedrich Wilhelms i., darunter eines von ihm selbst, nach seiner gewohnheit mit dem finger statt des Pinsels gemahlt, scheußlich schlecht. nachher fuhren wir nach sanssouci. das schloß konnten wir des festes wegen nicht sehen, es ist übrigens auch nichts daran und selbst seine fa- çade ist zwischen den hohen Terrassen und Bäumen versteckt, da es nur ein rez-de-chaussée ist, ein unbegreiflicher Verstoß. Daneben steht die hi- storische Windmühle, welche übrigens der jetzige könig gekauft hat, nach- dem der vorige ihrem Besitzer mehrere male seine schulden bezahlt hatte, um deren verkauf und Abtragung zu verhüten. vor dem schlosse ist der schönste springbrunnen, den ich je gesehen, 120 fuß hoch, und etwas wei- ter ein ebenfalls sehr schöner in korbgestalt über ein Bouquet von frischen Blumen. der garten selbst ist sehr groß und schön, jedoch im steifen style ludwigs Xiv. in einem theile desselben wurde eben getanzt, wir konnten also nicht herzu, sondern sahen nur von Weitem einige uniformen, da uns ein wachhabender Unteroffizier ziemlich barsch weg wies. von da ging es zum neuen Palais, ein prachtvolles großartiges gebäude aus rothem steine, vis-à-vis zwey superbe Pavillons durch eine colonnade verbunden, welche gegenwärtig zur Artillerieschule benützt werden. das Palais enthält über 200 Zimmer, darunter 2 ungeheuere säle, der untere von muscheln und mineralien, der obere von marmor, dann prächtige Zim- mer voll gemälde, vasen (darunter 2 von krystall wie in Bieberich, eben- falls geschenke des kaisers von rußland) und allen Arten von kostbarkei- ten, reminiscenzen des großen turniers vom Jahre 1829 etc. dann wieder ähnliche, getreulich conservirte Appartements des großen friedrich mit vielen Porträts von kaiser Joseph 2. und maria theresia, und ebenso die Wohnzimmer der königin louise (starb 1810) und des verstorbenen königs voll Portraits von fanny elssler und anderen tänzerinnen. Auch der große fritz hatte die seinige, signora Barberini,1 die hier an allen Wänden hängt. im garten ist ein kleines mausoleum, für Büsten der mitglieder der kö- niglichen familie bestimmt, und ein eigenes cabinet mit der schönen sta- tue von Prof. rauch, welche die königin louise todt da liegend vorstellt. die erste ähnliche vom könige bestellte ist in charlottenburg, da aber rauch 1 die tänzerin Barbara campanini (1721–1799), genannt Barberina.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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