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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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43122. September 1843 mit dieser unzufrieden war, arbeitete er 15 Jahre lang insgeheim an dieser und machte sie dem könig zum geschenk. dann fuhren wir nach charlottenhof, einem kleinen allerliebsten schlöß- chen im englischen style mit sehr hübschen Anlagen, das der jetzige könig als kronprinz baute. indessen war es fast 4 uhr geworden, und unsere mä- gen mahnten uns. daher aßen wir im hôtel und fuhren dann wieder aus, bey der russischen colonie vorüber (so nennt man ein kleines dörfchen von 12 niedlichen in russischer Art gebauten häuschen aus geschnitztem holze ziemlich in schweizer-Art, die friedrich Wilhelm iii. für 12 russische sän- ger bauen ließ, die ihm kaiser Alexander 1814 schenkte, dabey steht eine kleine russische kirche) zum marmorpalais, so heißt ein kleines von fried- rich Wilhelm 2. gebautes schlößchen in einer charmanten lage, es gibt darin wieder viele schöne sachen, statuen, camine etc., darunter welche von canova, von der terrasse, welche hart am heiligen see (wo ehemals ein dorf soll gestanden haben) liegt, hat man eine entzückende Aussicht über die havel, spree, die lustschlösser glienicke des Prinzen carl, Baberts- berg1 des Prinzen von Preußen etc. Wenn man die unzahl und Pracht dieser schlösser betrachtet, die schwierigkeiten erwägt, in dieser sandwüste solche herrliche gärten zu schaffen, und dann noch die menge von grandiosen gebäuden aller Art bedenkt, welche in und um Potsdam seit 100 Jahren und Alle durch die könige gebaut worden sind, fabriken, casernen, fasanerieen, Pavillons, colonnaden, kirchen (darunter eine von schinkel ganz aus erz, die 700.000 thaler kostete und nun abgerissen wird, weil man vor lauter schall und echo kein Wort darin hört), so begreift man nicht, wo die leute das geld dazu hernahmen, und noch unbegreiflicher wird dieses in Berlin mit dessen zahllosen Prachtgebäuden und endlosen breiten straßen, welche alle erst seit 60–70 Jahren entstanden sind. gewiß aber ist es, daß es kein monar- chischeres land gibt als Preußen, denn Alles dreht sich hier einzig und allein um den könig. inzwischen war es 6 uhr geworden, und wir fuhr ins theater, wo heute bey Beleuchtung, da alle fremden und einheimischen Prinzen anwesend waren, das „glas Wasser“ jämmerlich schlecht gegeben wurde. Wir saßen fast dicht neben der Hofloge, der König schien mir gealtert und sehr dick geworden, l’air bonhomme, ein geistreiches gesicht ist das des Prinzen Jo- hann von sachsen, vor Allem aber interessirte mich das des herrn v. hum- boldt. um 7 uhr empfahlen wir uns und gingen in den Bahnhof, um 1/2 9 waren wir hier. 1 heute nicht mehr gebräuchlicher name von Babelsberg.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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