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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 434 -
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Tagebücher434 etc. um 4 fuhr ich wieder ab und war um 9 in Berlin. meine idee war noch immer die, wo möglich nach rügen und dann erst zurück hieher zu gehen. Aber eine direkte verbindung zwischen stettin, swinemünde und Putbus existirt nur im sommer und hat nun aufgehört, ich hätte danach zu lande nach stralsund, 24 meilen weit, in diesen schändlichen sandwegen fahren und dort übersetzen müssen. das war mir zu viel. im ganzen gab mir stet- tin das Bild einer nordischen blühenden bewegten stadt, und daher freut es mich es gesehen zu haben. in einer hiesigen Buchhandlung, in welcher ich mich nach herrn v. mi- nutoli erkundigte (der vor ungefähr einem Jahre mit einem Briefe von dr. kolb aus Augsburg bey mir in mailand gewesen war), habe ich erfahren, daß derselbe nun dem ministerium des inneren hier zugetheilt und ein sehr einflußreiches Mitglied desselben sey. Ich beschloß demnach ihn zu besu- chen, und hoffte, durch ihn verschiedene statistische daten und mitthei- lungen besonders in Hinsicht auf finanzielle und Handelsverhältnisse des Zollvereines zu erhalten. da er nun gestern vom lande zurückgekehrt war, suchte ich ihn heute im ministerium auf. da zeigte es sich aber, daß es ein älterer Bruder desjenigen sey, welchen ich kannte, und so verließ ich ihn nach einer kurzen visite, da ich einen mir fremden mann doch nicht mit solchen Zumuthungen behelligen konnte. Auch das königliche schloß wollte ich ansehen, der versuch scheiterte aber zum 3. mahle, da der castellan wieder beschäftigt war, und ich nicht lange warten wollte, das wollen wir also nun aufgeben. ich machte einige Abschiedsbesuche, bey Antonini, frank etc. Abends war ich wieder in der oper lucia und brachte den größten theil des Abends im camerino bey der malvani zu. morgen reise ich über magdeburg weiter. Berlin hat mir im ganzen den eindruck einen großen, schönen, doch ziemlich todten und trotz seiner größe kleinstädtischen stadt gemacht, viel gêne und nichts als uniformen, dienst und könig, auf diese dinge stößt man überall, und das benimmt einem die freyheit der Bewegung, die ich über Alles liebe. doch scheint hier viel geistiges leben zu herrrschen, und deßhalb, und wegen der menge bedeutender männer jeder Art und geistvol- ler conversation und Zirkel, welche es hier gibt, würde ich sehr gerne einen Winter hier zubringen, denn dieses sind dinge, auf welche ich einen sehr hohen Werth lege und bisher so selten fand. in spanien geht es wieder drunter und drüber, ein triumph für mich, in Barcelona geht es nun gegen die franzosen und in ganz spanien gegen ihren Einfluß, so straft sich Hinterlist und Verrath. Sonst gibt es gar nichts in den Zeitungen als geschwätz über die Besuche der königin victoria in eu und Brüssel.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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