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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 437 -
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4373. Oktober 1843 Bey diesem hundewetter habe ich keine lust, zur see nach Amsterdam zu fahren, besonders da das nächste dampfschiff (de Beurs van Amsterdam) erst am 5. geht und zudem ein sehr schlechtes seyn soll, das gute, Willem i., geht diese nacht, da kann ich aber nicht mit, weil ich bis 2. auf meine Briefe hier warten muß. ich werde also wohl zu lande über Bremen nach düssel- dorf und von da den rhein hinab gehen. Am 15. dieses monats ist ein Aufstand in Athen ausgebrochen, und kö- nig otto soll gezwungen worden seyn sich einzuschiffen.1 Wenn sich dieses bestätigt, wie es scheint, so hat da wieder rußland die karten gemischt, der herzog von leuchtenberg soll wahrscheinlich könig oder eigentlich russi- scher gouverneur von griechenland werden. serbien ist nach den letzten vorgängen ganz unterjocht, moldau und die Wallachey sind es schon längst, wohin soll dieses führen? o du goldenes kalb in Wien! man möchte manch- mal wirklich des teufels werden. mir war schon seit einiger Zeit das plötz- liche Acharnement verdächtig, womit die 3 schutzmächte england, frank- reich und rußland über die junge regierung griechenlands herfielen. nun scheint es also, daß auch jene Beyden von rußland sind übertölpelt worden. übrigens sind kürzlich am ungarischen landtage merkwürdige reden (graf gay2 und der Bischof von carlowitz) über die russischen intriguen in un- garn und den slavischen Provinzen der österreichischen monarchie gefallen. dagegen geht der landtag seiner Auflösung entgegen – ungarische staats- weisheit. Bremen 3. oktober Am 30. Abends tanzte fanny elssler im stadttheater in der sylphide. das haus war übervoll, und ich hatte nur mit mühe einen logenplatz bekom- men, von dem ich zwar nicht viel sah, dagegen aber das vergnügen hatte, neben der allerliebsten frau v. schwarz zu sitzen. meine erwartungen er- füllte die elssler nicht. die taglioni ist ihr wenigstens in dieser rolle unend- lich überlegen. fanny hat dagegen eine schöne figur, eine außerordentlich schöne haltung und sehr viel souplesse im körper, dafür aber keinen ausge- zeichneten geschmack. tags darauf, sonntag, wo es wieder in einem fort regnete, besuchte ich vormittags herrn schutte, welcher mich bereits erwartete. ich blieb fast 3 stunden bey ihm, da er durchaus wollte, daß ich mit ihm frühstücken sollte. Wir sprachen beynahe ausschließlich über einen und denselben 1 der Aufstand in Athen führte zum Zugeständnis einer verfassung durch könig otto (der bis 1863 weiter regierte), die von der dafür einberufenen nationalversammlung am 2.3.1844 verabschiedet wurde. 2 richtig wohl vay.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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