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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 439 -
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4393. Oktober 1843 noch, um in der rolle zu bleiben, bey mad. herbst in der schwiegerstraße zugebracht, jedoch bloß mit discouriren und champagnertrinken. gestern holte mich herr schutte ziemlich früh mit dem Wagen ab, um mir Altona und die schönen landhäuser an der elbe zu zeigen. diese sind nun wirklich allerliebst, einige sogar grandios, mit köstlichen Anlagen, Parks und fernsichten auf die elbe, das flachland etc. so geht es 4–5 meilen fort bis Blankenese, wir aber waren um 12 uhr wieder zu hause. ich hatte da noch verschiedene gänge zu machen, sah mir unterwegs mit geyer auch die Börse an, die wirklich sehr schön ist, und traf dann Anstal- ten zu meiner Abreise, obwohl ich darüber noch bis zum letzten Augenblicke ungewiß war. die preußischen herren wollten nähmlich fanny elssler und ihrer seconda donna, dlle Bethge aus Berlin, ein souper geben, und da sollte ich mithalten, wenn fanny nämlich die einladung annehmen würde, nun war bis fast 4 uhr Probe, so daß ich erst dann erfuhr, daß sie das souper nicht angenommen habe. dagegen kam die Bethge und aß mit uns bey streit an der table d’hôte. somit fuhr ich dann um 1/2 6 uhr ab, obwohl die geyer’s mich zurückhal- ten wollten, es sind beyde sehr angenehme gebildete leute, und ich wäre sehr gerne, wenn ich Zeit hätte und wenn bey dgl. spectakeln nicht-militärs nicht immer eine traurige rolle spielten, mit ihnen nach lüneburg gefah- ren.1 dort soll es sehr brillant zugehen, eine unzahl hohe herrschaften, der könig macht vortrefflich die honneurs, hat eine excellente küche und einen immensen troß mit. Als geyer’s dort speisten, waren gegen 140 Personen, und hinter je 2 gästen stand ein rother gepuderter lakay. Besonders gut sollen die Braunschweiger und dänen aussehen. mit dem dampfschiff Primus fuhr ich in einer stunde nach harburg, wo ich um 8 in den Postwagen stieg und heute früh 7 hier war, der Weg ist ge- pflastert wegen des marschlandes, und soviel ich sehen konnte einförmig und flach, jedoch in der nähe von Bremen wird die vegetation ganz üppig, wie bey Altona. hier stieg ich im lindenhof ab. die sehenswürdigkeiten Bremens beste- hen in dem großen alten, von carl dem großen (?) erbauten dom, und darin die Bleykeller, d.i. ein gewölbe, worin die dort begrabenen leichname un- versehrt bleiben und bloß vertrocknen. so sah ich einen studenten, einen schwedischen general und seinen Adjutanten aus dem 30jährigen kriege und mehrere andere leichen, es ist ein widerlicher eindruck. schön ist die Façade des Rathhauses auf dem Markte und davor die Bildsäule des rasen- den rolands von Bremen aus den faustrechtszeiten. überhaupt hat Bremen vielmehr schöne häuser sowohl von mittelalterlicher als moderner Bau- 1 Gemeint sind die bei Lüneburg stattfindenden Manöver, vgl. Eintrag v. 29.9.1843.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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