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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher440 kunst als hamburg, die straßen sind gut gepflastert, reinlich und freund- lich, und der gesammte eindruck, besonders durch die schönen Anlagen um die stadt, viel angenehmer. merkwürdig ist auch der hiesige rathskeller mit seinen ungeheuern gewölben und fässern, die voll rheinwein (der älteste vom Jahre 1624!!) stehen, und auf regierungskosten ein- und verkauft wer- den. gestern war ich auch bey campe, versteht sich bloß als kauflustiger, sah ihn aber nicht, doch sprachen mir die leute selbst von oesterreich etc., wo- von sie nun eine vierte (!!!) Auflage praepariren, und meinten, ob eine über- setzung ins italienische sich nicht rentiren dürfte? rotterdam 6. oktober Abends um 6 uhr nachmittags am 3. fuhr ich von Bremen ab und durch ein land, welches dem zwischen hamburg und Bremen ziemlich ähnlich sah, nämlich marschland, sümpfe und flache ebenen, bis osnabrück, wo ich morgens um 1/2 8 uhr ankam. osnabrück ist ein ziemlich freundliches städtchen von 12–14.000 einwohnern. um 9 ging es wieder weiter, und zwar dießmal en tête-à-tête mit einer hübschen Westphälin aus münster, welche, wie sie mir erzählte, so eben durch 3/4 Jahre bey einer befreundeten familie im oldenburg’schen gewesen war, um dort kochen zu lernen, wie dieß zur voll- endung der weiblichen erziehung sitte sey. der Weg von osnabrück ist ganz außerordentlich schön, ein reizendes hügelland, der teutoburger Wald, wo hermann und varus fochten, mit ei- ner beynahe üppigen vegetation und dichten eichenwaldungen, besonders schön liegt das städtchen iburg, durch welches wir kamen. in glandorff wurde gespeist, und um 1/2 4 waren wir in münster, einer alterthümlich aussehenden, ziemlich großen (30–40.000 einwohner) stadt mit vielen schö- nen gebäuden. ich besah mir die domkirche auf einem schönen mit Bäumen bepflanzten Platze. Die gothische Façade ist magnifique und großartig, das Innere dage- gen entspricht der erwartung nicht, besonders da man den unglücklichen gedanken gehabt hat, es frisch zu übertünchen, sonst ist es ganz wie die mainzer, coblenzer etc. kirchen voll Wappen und stammbäume. doch gibt’s mehrere andere Kirchen mit sehr schönen Façaden und Thürmen, sämmt- lich im gothischen style. im rathhause sah ich den friedenssaal, wo der westphälische friede ge- schlossen wurde und jetzt der westphälische landtag zusammentritt. die sammtkissen, auf denen die gesandten saßen, liegen noch da, und ihre sämmtlichen Portraits hängen an der Wand, und mehrere reliquien aus je- ner epoche („seit welcher deutscher sklavensinn als wie ein krebs um sich fraß“ wie schlözer sagt) sind ebenfalls noch da, so der Becher, aus dem die
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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