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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 446 -
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Tagebücher446 soll, sehen, aber aus mißverständniß meines dummen lohnbedienten fuhr der kutscher nach dem haag zurück, und ich hatte keine Zeit wieder um- zukehren. um 1/2 3 fuhr ich fort und durch ein der gegend zwischen rot- terdam und den haag ganz ähnliches land (nur daß es hier noch niedriger wird und es mehr Wald, d.h. gebüsch gibt) in 1 1/2 stunden nach vorschoo- ten. man sieht links die dünen und manchmal sogar das meer. Bis vor- schooten geht jetzt die eisenbahn, und auf dieser fuhren wir dann weiter über leyden bis haarlem, wo ich um 1/2 6 ankam. es gibt in fast allen städten hollands sehr werthvolle wissenschaftliche, besonders naturhistorische sammlungen. die in leyden, namentlich die zoo- logische ist die berühmteste in europa. Auch institute, museen etc. gibt es in fast jeder stadt. in haarlem, welches die netteste und hübscheste stadt von holland ist, war es zu spät, um die domkirche Anders als von außen zu sehen und die berühmte orgel spielen zu hören, ich sah daher nur noch den sogenannten Pavillon im Bosch, d.h. den Pallast, wo louis Bonaparte residirt hatte. Auch die großen tulpen- und hyazinthenfelder (besonders bey Bloomendaal, 1/2 stunde von haarlem) konnte ich nicht sehen und hätte auch in dieser Jah- reszeit nichts gesehen, doch ging ich in der dämmerung noch zu einem der ersten Blumengärtner und Zwiebelhändler und ließ mir seine superben dah- lias zeigen, dann suchte ich meine Zeit so gut es ging todtzuschlagen bis 9 1/4 uhr, wo der letzte nacht-train der eisenbahn abging, welche mich in 1/2 stunde hieher brachte, wo ich im vieux doelen abstieg. Beym hereinfahren durch die endlos lange straße de nieuwendyk war ich durch die unzahl von Boutiquen, fast Alle mit gaz erleuchtet, überrascht, ich glaube, mein lebtag nicht soviel läden bey einander gesehen zu haben. fast jede kirche in holland hat ein glockenspiel, und jede stadt ihre nachtwächter, die allenthalben stunden ausrufen und dabey allerley instru- mente, ratschen, Pauken etc. gebrauchen. in rotterdam sah ich mehrere leichenbitter nach holländischer sitte, die reichen haben nebstdem noch einen leidtragenden und Wehklager. ehemals waren in Amsterdam Wagen auf rädern verbothen, weil man die erschütterung fürchtete, und noch jetzt sieht man sehr viele Wagen auf schleifen, d.h. kufen, wo der kutscher daneben geht und mit der hand den Wagen dirigirt. ein ganz charmantes costume hier ist das der städtischen Waisenkinder, besonders der mädchen, sie sind halb roth halb schwarz, dabey die niedli- chen weißen häubchen mit den silberplatten und die hübschen gesichter, das sieht allerliebst aus. leider war heute sonntag und halten ihn die holländer sehr strenge (nicht einmahl Brod wird gebacken), denn ich muß deßhalb einen tag länger
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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