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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 448 -
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Tagebücher448 mynheer mit einem superben kleinen glashause und einer unzahl kiosks, Brücken und Automaten gesehen hatte, fuhr ich immer in sturm und regen zurück und schiffte auf einer kleinen Barke über den Arm der Zuydersee, welcher zwischen Amsterdam und uns lag. das meer war so hoch, daß wir beynahe umgeworfen wurden, aber mir machte dieses heftige schaukeln dießmal förmlich vergnügen. das wäre ein gutes omen für meine amerika- nische reise. sonst sah ich in Amsterdam noch den königlichen Pallast mit einem unge- heuern saale, wo noch die erbeuteten fahnen Alba’s hängen. Abends war ich in frascati, und montags, nachdem ich meine geschäfte bey hope beendigt hatte, fuhr ich immer im regen um 1/2 6 Abends ab und war um 9 in ut- recht, wo ich im hôtel Pays-bas übernachtete. tags darauf um 8 uhr früh fuhr ich wieder ab, nachdem ich noch im vor- beygehen die schöne domkirche und den thurm gesehen hatte, es gibt hier sehr viele katholiken, sowie auch in haarlem, wo ein Bischof ist, auch gibt es hier und dort noch mehrere Partenisten.1 unser Weg ging über gorkum bey der festung gertruydenberg vorbey nach Breda, wo gegessen wurde. gegen 4 uhr fuhren wir weiter, hier ver- liert sich nach und nach der holländische charakter, und um 6 waren wir beym belgischen Zollhause. unglücklicher Weise fanden die leute 12–14 Paar neue handschuhe bey mir, welches sie so indignirte, daß sie mir meine sachen ohne gnade und Barmherzigkeit bis auf den grund durchvisitirten. das ende aber war, daß ich für die handschuhe 1 franc und etliche cen- times Zoll bezahlen mußte. um 9 waren wir in Antwerpen, und ich ging ins hôtel s. Antoine. gestern nahm ich mir dann einen lohndiener mit und ging trotz regen und Wind die merkwürdigkeiten Antwerpen’s besehen. die stadt selbst ist häßlich, schmutzig trotz der breiten straßen (welch ein contrast mit hol- land) und todt, der handel ist gering und wenig schiffe in der schelde und in den docks. die regierung thut was sie kann, kauft schiffe (so die British Queen, um eine linie zwischen hier und new York zu ètabliren, welche je- doch aus mangel an reisenden gegenwärtig in den docks liegt, den macas- sar, welcher so eben aus Batavia zurückgekommen ist), aber bis nun hat es noch nicht viel genützt. das kleine Belgien scheint mit seinen fabriken zwischen den großen Zolllinien um es herum zu ersticken. Auch stand es um den Absatz seiner Produkte weit besser, als es noch mit holland vereinigt war und hollands schiffe, colonien und capital zu seiner verfügung hatte. ich sah die domkirche, welche sehr groß und schön ist, im inneren ähnelt sie dem mailänder dom, es gibt da sehr viele schöne Bilder von vandyck 1 gemeint ist wohl die Altkatholische kirche der niederlande.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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