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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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44913. Oktober 1843 und rubens (welchem auf der Place verte im Jahre 1840 ein monument ge- setzt worden ist), darunter die berühmte kreuzabnahme von rubens, welche wirklich superbe ist, so wenig ich sonst ein freund dieses künstlers bin. Be- sonders schön aber ist der thurm der domkirche. Auch sind die Kirchen S. Paul und S. François sehr schön, besonders von Außen, die reichste gothische Bauart, merkwürdige gebäude sind noch: das rathhaus, das hanseatische kaufhaus in den docks, das ehemalige haus der tempelherren etc. und mehrere Privatgebäude, welche durch ihren mit- telalterlichen Baustyl interessant sind. dann sah ich die magnifiquen, von napoleon erbauten docks, 2 an der Zahl, und in einem derselben das dampfschiff the British Queen, welches ich besuchte, es ist das schönste dampfschiff, welches ich jemahls sah. im museum sind sehr viele schöne rubens und vandyck, hierauf be- suchte ich die Ausstellung des laufenden Jahres, wo ich gegen mein erwar- ten mehrere außerordentlich schöne Bilder von keyser, Wappers, scheffer etc. fand. nachdem ich um 2 uhr gegessen hatte, fuhr ich um 4 auf der eisenbahn in 3/4 stunden nach mecheln, mit mir fuhr ein hannöverischer major von meyerinck,1 der in mecheln einen Bekannten, den belgischen general gra- fen krasicki, einen polnischen flüchtling, besuchen wollte. ich sah mir in mecheln die berühmte kathedrale an, an welcher wieder das Äußere und der thurm das schönste sind, und blieb dann mit meyerinck im gasthofe sitzen, denn es regnete ohne Aufhören. um 8 war ich wieder auf der station, welche der centralpunct der belgischen eisenbahnen und daher in ihrer Anlage und ihren Bey und nebengebäuden, magazinen etc. wirklich großartig ist. in ei- ner halben stunde fuhr ich hieher und stieg im hôtel de flandres ab, wo es die beste table d’hôte in europa geben soll. [Brüssel] 13. oktober morgens in einigen stunden reise ich ab und bin morgen früh in Paris. leider habe ich auch hier keine Briefe gefunden, und meine ungewißheit hinsichtlich meiner künftigen Bestimmung dauert also fort. das ist mir äußerst unange- nehm, und was ich mehr als Alles Andere fürchte, ist, daß das ende dieses monats herankömmt, ohne daß eine entscheidung da sey, da muß ich dann doch nach mailand zurück und meinen langweiligen dienst wieder antreten. das wäre mir unerträglich. ich sah gestern den schönen dom, dessen 2 gothische thürme eben restau rirt werden, das superbe rathhaus und den merkwürdigen Platz, 1 Lt. Eintrag v. 4.11.1843 stellte sich heraus, dass es sich um einen entflohenen Häftling und hochstapler namens masser handelte.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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