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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 456 -
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Tagebücher456 locmaria als frisch von görz angekommenen redacteur der Quotidienne1 und genoude und der gazette de france, die reibungen zwischen einigen dynastischen maires und ihren liberalen municipalräthen und dergleichen lappalien mehr. [Paris] 26. oktober morgens morgen Abends verlasse ich Paris, ungern, weil ich gerne noch länger hier geblieben wäre, aber froh auf der anderen seite, wieder einmahl zur ruhe zu kommen. seit dem 21. habe ich so ziemlich Alles gesehen, was mir noch zu sehen übrig blieb: die kirche s. roch, an der nicht viel ist, das Panthéon (s. ge- neviève), ein prachtvoller tempel, zum mausoleum der großen männer der nation bestimmt, bis nun aber ruhen außer J.J. rousseau und voltaire fast lauter ziemlich obscure nahmen darin: senatoren, generäle etc., von der kuppel hat man eine superbe Aussicht über ganz Paris, welche aber deßhalb nicht so frappant ist, weil man nicht im freyen, sondern in einer Art von laterne steht und daher den Anblick nicht mit einem male ge- nießt, sondern von fenster zu fenster gehen muß, um die verschiedenen seiten des tableau zu sehen, das val-de-grâce, eine kirche mit sehr schö- ner Façade, sie dient jetzt mit ihren Nebengebäuden als Militärspital, das observatoire, die ecole militaire, den champ de mars, eine Art exerzier- platz, eines der 5 ungeheuern schlachthäuser (Abattoirs) von Paris, das der grenelle, dicht daneben den berühmten Artesianischen Brunnen, an dem 7 Jahre lang gebohrt wurde, 1687 fuß tief, der Wasserstrahl springt 112 fuß hoch, ich kostete das Wasser, es war noch beynahe warm, das elysée Bourbon, die morgue, wo eben ein leichnam lag, das innere der Börse, die sogenannte chapelle expiatoire, d.i. das mausoleum ludwig 16. und marie Antoinettens, von louis Xviii errichtet, unter dem monumente des kö- nigs steht sein testament, unter dem der königinn ihr letzter Brief an ihre schwägerinn mad. Adélaide in schwarzen marmor gegraben, die säle des Palais royal und die gallerie, meistens familienporträts der Bourbons und orléans und nebstdem noch ziemlich mittelmäßige gemälde von lebenden französischen malern, doch gibt es auch einige sehr schöne darunter von horace vernet, schnetz etc., größtentheils von louis Philippe noch wäh- rend der restauration ad captandam benevolentiam populi bestellt, daher die schlachten von Jenappes und valmy, napoleonische kriegesthaten etc. man wird jeden Augenblick erinnert, daß auf diesem Boden die große ko- 1 noel-marie victor graf Parc de locmaria war ein vertrauter des französischen thronprä- tendenten henri graf v. chambord herzog v. Bordeaux, der seit ende der 1830er Jahre in görz lebte.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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