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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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45726. Oktober 1843 mödie gespielt wurde, welche 1830 ihr dénouement fand. ganz besonders schön aber sind die frescogemälde in der großen gallerie, die merkwür- digsten ereignisse vorstellend, die sich im Palais royal zutrugen von den Zeiten der fronde an bis zum 7. August 1830. das innere der tuilerien konnte ich nicht sehen, weil der könig, wenn er wie jetzt in neuilly und s. cloud ist, beynahe täglich herein kömmt. dage- gen war ich letzthin in versailles. ich fuhr auf der eisenbahn rive gauche über meudon, Belleville, sevres in 3/4 stunden. das land ist sehr hügelicht, und daher die schwierigkei- ten, welche zu überwinden waren, groß. in versailles nahm ich einen alten guide, welcher seit 45 Jahren dieses Amt bekleidet und im schlosse gebo- ren ist, daher die ganze revolution vom schwure im Jeu de Paume (das ganz nahe am schlosse ist) angefangen mit angesehen hat. ich müßte ein Buch schreiben, wenn ich Alles nennen wollte, was ich im schlosse sah, und zwar im vollen laufe, denn um Alles nur halbweges aufmerksam zu sehen, müßte man 8 tage verweilen. ich kann daher nur soviel sagen, daß ich nie so viele Pracht und größe vereinigt sah, Zimmer und säle in die tausende, galerieen und Prunkzimmer von gold strotzend, kurz eine mehr als kaiser- liche Pracht. der Werth der unzähligen Bilder und statuen ist fast nur ein historischer, die säle des rois de france, des Amiraux, des connétables, des maréchaux, des guerrièrs célèbres, des hommes illustres, des résidences royales, de constantine, de napoléon, der großen Waffenthaten der franzosen von der frühesten Zeit an bis auf die heutigen gefechte in Afrika, Alles strotzt von erinnerungen an französischen ruhm und muß einen franzosen mit stolz erfüllen, mich verstimmte es, obwohl ich durchaus ohne politische preaven- tionen gekommen war, denn uns oesterreichern wird darin oft besonders übel mitgespielt und zuweilen wahrhaft ungerecht, denn die französische eitelkeit und unwahrheit hat sich auch hier ihren großen theil genommen. Aber dergleichen dinge erregen das nationalgefühl und könnten auch bey uns nicht schaden. mit kälterem Blute kann man die ehemaligen Wohnzimmer der könige und königinnen (darunter das Œuil-de-Bœuf) durchgehen, sie sind mit den Portraits der berühmten männer und frauen aus jenen Zeiten, franzosen und nichtfranzosen angefüllt. kein könig hat soviel für versailles gethan als louis Philippe, der es ganz in ein nationalhistorisches museum verwandelte, eben jetzt werden die salles des croisades eingerichtet. seit 1789 hat niemand mehr darin gewohnt. nachher sah ich noch den großen garten, den einzigen, welcher mir trotz jenes styles à la louis Xiv. jemals gefallen hat, mit seiner masse
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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