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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher458 von statuen, gruppen und Wasserkünsten, welche aber nur im sommer an gewissen tagen spielen. ich sah das große und kleine trianon, und den Pallast du Parc-aux-cerfs von ferne, an den garten stößt der kleine und an diesen der große Park, mit mauern umgeben (ein theil davon ist die forêt de marly), und an diesen das kleine Jagdschloß la malmaison, lauter histo- rische namen. hier wurde die geschichte frankreichs abgespielt. um 4 uhr fuhr ich auf der eisenbahn rive droite über s. cloud (fort am schlosse vorbey), clichy und les Batignolles zurück. die hindernisse sind hier noch größer, und wir fuhren durch einen 500 und mehr mêtres langen tunnel unter dem Park von s. cloud durch. von theatern sah ich in diesen tagen die favorita in der französischen oper, sehr gut gesungen von mad. stolz, dupréz, levasseur und Barroi- lhet, eine vortreffliche hübsche Tänzerinn, Adèle Dumilâtre. Dann die Oper Belisario mit der grisi (welche meine erwartungen nicht befriedigte), co- relli und dem vortrefflichen Bassisten Fornasari. Auch mein Diner letzthin bey Apponyi fiel besser aus als ich dachte. Die Botschafterinn ist eine sehr angenehme frau, weniger ihre schwiegertochter, es waren noch da: die duchesse di galliera, schwester der jungen melzi in mailand, dann für- stenwärther, den ich nun schon zum 3. male auf meiner reise begegne, und ein Postverwaltungsrath aus Wien, turneretscher, welcher hier ist, um ei- nen Postvertrag zu unterhandeln. gestern sollte ich zu einer soirée des bayerischen gesandten luxburg gehen, ich entschuldigte mich aber, von Bekannten habe ich niemand als Wendland aufgesucht, ich habe weder Zeit noch lust. der tod des alten lerchenfeld, welchen ich diese tage erfuhr, hat mich frappirt, mehr seiner frau als seinetwegen. Apponyi hatte mir versprochen, mir die erlaubniß auszuwirken, das hie- sige Poenitentiär, la roquette, zu besuchen, er hat aber noch keine Ant- wort erhalten, und so werde ich wohl abreisen müssen ohne es gesehen zu haben. sonntag Abends war ich eine stunde lang auf einem öffentlichen Balle (Bal montesquieu), obwol da das gemeinste volk hingeht (die entrée ist 30 centimes), so fand ich da doch weit mehr Anstand in Benehmen und klei- dung, als ich in ähnlichen etablissements z. B. in hamburg etc. gesehen hatte. Auch der cancan wurde hie und da auf Augenblicke getanzt, wenn der municipal eben den rücken kehrte. turin 3. november morgens gott sey lob und dank, daß ich endlich hier bin, ich verzweifelte schon fast daran jemals hier anzukommen, und noch nie wurde mir das reisen so schwer und unangenehm als in diesen tagen. meinen letzten Abend in Pa-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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