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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 459 -
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4593. November 1843 ris brachte ich damit zu, mit fürstenwärther noch einige öffentliche Bälle zu besuchen, der Prado, welcher im Winter die chaumière ersetzt, also das rendezvous der studenten und grisetten ist, dann den valentino in der rue s. honoré, welches der eleganteste salon dieser Art in Paris ist, an beyden orten amusirten wir uns, gelegenheitlich und wie verstohlen den verpönten cancan tanzen zu sehen. dann gingen wir noch in das famose etablissement der Puces travailleuses in der rue cléry. ich fand es weit mehr ekelhaft als aufregend. freytag am 27. Abends 6 uhr verließ ich Paris mit der malleposte, es ist hübsch zu sehen, wie um eine und dieselbe stunde mit schlag 6 uhr alle malleposten nach den verschiedensten richtungen von frankreich abfah- ren, wir schmissen gleich außerhalb der Barriére einen fuhrmannskarren in den graben und fuhren dann seelenvergnügt weiter, mit mir fuhr ein französischer Abbé und seine 2 Zöglinge, junge engländer, der eine der sohn, der andere der neveu von lord clifford, welche sich ins Jesuitencol- legium von freyburg begaben. Während unserer ganzen reise regnete es unaufhörlich, der Weg war entsetzlich langweilig, die dörfer selten und schmutzig wie in ganz frank- reich, wenigstens soviel ich davon gesehen habe, ist man aus Paris heraus, so könnte man sich in china glauben, die menschen roh und ungeschliffen, die Wirthshäuser schlecht. übrigens kamen wir erst gegen 9 uhr Abends dazu etwas essen zu können, nämlich in châlons sur saône, und wenn meine reisegefährten nicht einigen mundvorrath mit gehabt hätten, so wäre es mir schlimm ergangen. sonntag früh um 8 waren wir in lyon, eine häßliche, langweilige, grund- los schmutzige stadt. unser Abbé schleppte uns in einen misérabeln, eine stunde von der Place Bellecour oder louis Xiv. (wo die Post ist) entfernten gasthof, hôtel au nord, wo wir nach einem genommenen Bade zusammen frühstückten. Hier aber fingen meine désappointments und Schwierigkeiten wegen des fortkommens an, ich hatte gehofft, gleich nach chambéry weiter und von dort nach turin fahren zu können, an diesem tage aber ging keine diligence mehr, und die zwey einzigen, welche bis turin gehen, nämlich die malle- postes sardes und die von Bonefons, waren schon auf viele tage voraus ge- nommen. ich war mithin schon entschieden, mit dem dampfboote auf der rhône bis Avignon hinabzufahren, von da zu lande nach marseille zu gehen und dort das nächste dampfschiff nach genua zu nehmen, später aber ent- schloß ich mich dennoch anders und nahm einen Platz auf einer diligence des maîtres de poste, welche auf einem kürzeren und schöneren Wege, näm- lich über Belley statt über Pont de Beauvoisin, nach chambéry fahren, hof- fend, dort eine weitere Eilwagengelegenheit nach Turin zu finden.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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