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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 473 -
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4738. Februar 1844 dieses verstreicht im übrigen ganz ruhig zwischen lucile, Bureau, thea- ter, cova und mathilde Berchtold, wo ich fast alle meine Abende zubringe, was mich vorzüglich hinzieht, ist weder mathilde, für die ich nie eine sym- pathie fühlte, noch sonst etwas, sondern Walmoden, der beständig dort ist. es ist erst seit einigen monathen, eigentlich seit dem letzten frühjahre, als ich näher mit ihm zusammengekommen bin, und seitdem habe ich einen wahren enthusiasmus für ihn. die langweiligen Bälle der mailänder Welt besuche ich dieß Jahr sehr wenig, das vergnügen, sich unter einer masse von verdrießlichen, unange- nehmen und spießbürgerlichen gesichtern umherzutreiben, ohne Jemand zu finden, mit dem man ein vernünftiges Wort reden kann, begreife ich nicht mehr. der hof verläßt Wien am 13. und wird am 17. in venedig eintreffen, um vorerst dort zu bleiben. gabrielle kam am tage nach der leiche nach Wien,1 wurde von der viceköniginn auf das rührendste empfanden, und diese er- klärte ihr, sie würde sich nie von ihr trennen, so verschwindet für sie ihre liebste hoffnung zu einem andern hofstaate zu kommen, ihren haß gegen mailand begreife ich sehr wohl, denn das leben, welches sie hier führt, ist ein freudenloses wie nur irgend eines, und ihr verhältniß zur viceköniginn wird sich auf die dauer wohl auch kaum ändern. nebstdem scheint mir, daß während ihres jetzigen Aufenthaltes in Böhmen und leutomischel alte, schon halbbegrabene Wünsche und hoffnungen wieder erwacht sind, die nun zu einem schnellen unvermutheten ende kamen. Jeder mensch hat sein Bündel leid auf erden, und man sollte Alle oder niemand bedauern. es hilft nur ein trost dagegen, und dieser ist, die Blicke von dem einzel- nen aufs ganze, auf das große zu richten, was in unserer Zeit, vor unsern Augen vorgeht. glücklich, wer dabey nicht wieder den traurigen nebenge- danken haben muß, daß er nichts als bloßer Zuschauer ist! – – ein moment wie der, wo guizot in der kammer den sturm der ganzen opposition ge- gen sich aushielt und durch sein persönliches übergewicht beschwichtigte, hält für ein ganzes leben von opfer und entbehrungen schadlos. oder wie o’connell, ohne Amt, ohne positive physische kraft, bloß durch sein mora- lisches übergewicht, millionen menschen zu führen wie ein kind. ein sol- cher mann kann sagen, er habe gelebt. Was ist dagegen die misérabilität, 30 Jahre lange österreichischer staatskanzler oder irgend etwas anders in uns- rem vaterlande der dummheit gewesen zu seyn? es ist die größte calamität auf erden, in oesterreich geboren zu seyn. 1 das Begräbnis von erzherzogin maria, der am 23.1.1844 gestorbenen tochter von vizekö- nig rainer.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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