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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 475 -
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47525. Februar 1844 gegen diese dauernden seelenleiden suche ich in meinem vorübergehen- den verhältnisse zu lucile erholung und Zerstreuung. sie war nun durch 10–12 tage an einem fußleiden krank und fängt erst jetzt wieder an sich zu erholen. das waren für mich die besten tage, ganz so wie früher, ehe die geschichten mit merelli dazwischen kamen, welche sie durch lange Zeit für mich beynahe ungenießbar machten, so nervös und leidenschaftlich war sie geworden. ich bringe oft meine Abende bey ihr zu. An kleinen reibungen fehlt es zwar auch jetzt nicht, so z.B. neulich, weil ich nicht mit einem hiesi- gen theater recensenten bey ihr essen wollte etc. überhaupt versteht sie es vortrefflich, einen in Athem zu erhalten und ihr kleines Pantöffelchen hand- zuhaben. der hof ist am 17. in venedig angekommen, und gabrielle sollte am 19. folgen. der fasching ist hier sehr ruhig und für mich ruhiger als für Andere, da ich beynahe nirgends hingehe, als wo es unumgänglich nothwendig ist. Abends gehe ich, wenn ich von lucile fortgehe, meistens zu Berchtold, jetzt hat mich Walmoden auch zu mathilde schwarzenberg geführt, welche für mich eine ressource seyn dürfte. ich bin sehr viel mit Walmoden und lerne diesen ausgezeichneten, seltenen mann täglich mehr verehren. depont hat mir noch immer nicht geantwortet, und ich rechne nun gar nicht mehr darauf, jemals eine Antwort von ihm zu bekommen, obwol die- ses stillschweigen eine baare unhöflichkeit ist. fanny elssler ist nun schon in ihrem dritten Ballett, nämlich in der giselle aufgetreten und hat nun endlich einen wahren furore gemacht, bisher war man sehr kalt gegen sie, jetzt aber hat sie besonders in den mimischen szenen einen wahrhaft stür- mischen Beyfall. doch wurde die cracovienne, welche sie darin tanzte, aus- gezischt und sofort weggelassen. ich bin nun für lucile’s weitere Aufnahme sehr besorgt, besonders da sie noch immer ewig dasselbe alte Ballett tanzen muß. denn für sie geschieht gar nichts. merelli hat ihr nun mit vieler mühe ein kleines divertissement zugesagt, wir wollen sehen. [mailand] 25. februar es gibt neuerdings sturm und ungewitter in casa grahn. merelli hat ihr wegen ihrer krankheit einen bedeutenden gage-Abzug gemacht. dann wollte sie in ihrem frühern Ballett elda ihre rolle wenigstens vorerst nicht wieder übernehmen (da sie heute Abend zum ersten mahle wieder auftritt), sondern bloß ihr neues Pas de cinq tanzen, da sie behauptete, sie sey dazu noch zu schwach etc., kurz der gestrige tag war sehr stürmisch, bey sol- chen gelegenheiten muß ich dann gewöhnlich die ersten Ausbrüche ihrer laune ertragen. da werden mir zahllose und bittere vorwürfe über mein Phlegma gemacht, und sie springt mit einer wunderbaren Beweglichkeit von einem thema auf das Andere über. Auch die allersonderbarsten Zumuthun-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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