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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 476 -
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Tagebücher476 gen werden an mich gestellt: bald soll ich merelli fordern oder ihn auch nur schlechtweg prügeln, bald Artikel in die Zeitungen schreiben oder claqueurs ins theater schicken, oder wieder fanny elssler (welche wohl hinter allen diesen intriguen steckt) etwas zu leide thun. lauter dinge, welche entwe- der unter meiner Würde sind oder sich hier überhaupt nicht ausführen las- sen. Alle diese geschichten fangen an mich zu langweilen und abzukühlen, wenn sie nur nicht in ihren rosenfarbenen momenten gar so allerliebst wäre! und davon gibt es denn doch sehr viele, so waren es die verflossenen tage alle bis auf den gestrigen. der carnevalone, welcher gestern zu ende ging, war lebhafter als ich gedacht hatte, der gestrige corso sehr voll und animirt, ich habe für die- sen tag, um lucile einen spaß zu machen, einen Balcon genommen, aber eben jener geschichten wegen gingen wir erst gegen 4 uhr hin, und sie war nicht gestimmt, einen besondren Antheil an dem vergnügen des Werfens zu nehmen,1 gestern Abend war ich dann wieder auf dem casino s. Paolo und mußte zu meinem großen verdrusse in der hitze und dem gedränge über 3 stunden aushalten, weil ich mich aus unüberlegter höflichkeit mit einer signora galbiati, die mich auf concerte und letzthin auf einen Ball, wo ich nicht erschien, geladen hatte, auf eine contredanse versprochen hatte, und heute sitze ich dann wieder mit geschwollenen halsdrüsen zu hause, an de- nen ich nun schon seit 2 monathen kränkle. Auf den veglione am vergangenen mittwoch fiel es lucile erst spät am Abend ein, jedoch im strengsten incognito zu gehen, ich besorgte daher Al- les, um 11 uhr fuhr sie mit ihrer mutter zu mir, trank bey mir thee und masquirte sich dann, ich vergaß darüber auf ein souper, zu dem ich bey spaurs engagirt war, und kam, als es schon fast zu ende war. gleich dar- auf ging ich in ihre loge hinauf, auf ihr dringendes Bitten willigte ich ein, was ich bisher noch nie gethan, nämlich mich zu masquiren, ich war aber kaum damit fertig, als leute herein kamen, und es sich zeigte, wir hätten eine falsche loge eingenommen, mein Bedienter war nicht da, und er hatte den logenschlüssel mit sich genommen, was war da zu machen? wir wan- derten aus mit sack und Pack, bis ich endlich die sache arrangiren konnte. gleich darauf machte ich mit lucile, wir beyde in schwarzen dominos, ei- nen gang durch die redoutensäle, welche ich ihr zeigen wollte, mein lebtag war mir aber nie so dumm und kläglich zu muthe wie damals, eine menge leute klopften mich auf die Achsel, scherzten über meine große figur etc., erkannt hat mich aber zum glücke niemand, denn ich sprach kein Wort und ging fort, sobald ich konnte. gegen 3 uhr fuhr lucile wieder zu mir sich 1 gemeint ist das Werfen von süßigkeiten – confetti – von den Balkons in die karnevals- umzüge.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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