Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 477 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 477 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I

Bild der Seite - 477 -

Bild der Seite - 477 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I

Text der Seite - 477 -

47713. März 1844 démasquiren, und dann begleitete ich sie im Wagen nach hause, sie wollte, ich solle nun nicht mehr auf den maskenball gehen, ich nahm mir aber die freyheit, ihr ganz in der stille ungehorsam zu werden. [mailand] 3. märz gestern machte ich meinen ersten Ausgang, nachdem ich die ganze Woche zu hause und großentheils im Bette zugebracht hatte. meine halsdrüsen, welche nun schon seit 2 monathen immer in einem krankhaften Zustande sind, waren wieder so entzündet, daß ich die ersten tage kaum sprechen konnte. lucile, die gerade diese ganze Zeit über nicht tanzte, brachte alle Abende bey mir zu, theils mit ihrer mutter, theils allein, und diese stunden entschädigten mich für die langweile des krankseyns. mit jedem tage rückt nun die nothwendigkeit der entscheidung näher. das angenehme intermezzo, welches ich eben spiele, oder eigentlicher zu sagen, in welchem ich befangen bin, betrachte ich als die letzte Blume am Wege, die mir noch gestattet ist aufzuheben und zu entblättern, ehe es zur ernsten entscheidung kömmt. Welche aber wird diese seyn? Als eine Art mezzo termine, als ein theilweises unterkriechen und durchaus nicht als die realisirung eines besonders lebhaften Wunsches sehe ich meinen übertritt zur diplomatie an, den ich jetzt ernstlich versuchen, und gelingt er nicht, ein für allemahle fallen lassen will. Aber was dann? ich fühle es, daß die selbst- ständigkeit in meinen Ansichten und handlungen mir zum hauptbedürf- nisse geworden ist, und ebendeßwegen hat auch mein hang zur diplomatie so bedeutend nachgelassen. [mailand] 13. märz es wird nach und nach frühling, jedoch mit fühlbaren Zwischenräumen, mein hals bedarf noch immer einer bedeutenden vorsicht und schonung. felix schwarzenberg ist zum gesandten in neapel ernannt, wo es jetzt sehr kritisch aussieht. der französische einfluß nimmt mit jedem tage zu, und man erwartet mit nächstem, daß der könig von freyen stücken eine constitution ertheilen soll, geschieht dieses, so ist kein Zweifel, daß die rückwirkung auf das übrige, und daher auch auf unser italien, sehr stark seyn wird. so liberal ich auch im ganzen gesinnt bin, so fühle ich doch zu wenig sympathie für die italiener, um diese Bewegung mit andern als mit gut österreichischen Augen zu betrachten. Wie ganz entgegengesetzte ge- fühle würde ein ähnliches ereigniß bey uns, oder überhaupt in deutschland in mir hervorrufen! Aber dazu ist kaum noch hoffnung, was mir noch vor einem Jahre als möglich, ja als wahrscheinlich erschien, darauf leiste ich jetzt in trostloser entmuthigung verzicht, und sehne mich hinweg aus ei- nem lande, welches alle Bedingungen der freyheit und des fortschrittes in
zurück zum  Buch „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I"
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“