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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher490 orientalischen Akademie und roturier,1 und aus beyden gründen ein pro- tégé jenes Aktenwurmes. diese ernennung, von der ich schon Wind hatte, wurde mir gleich darauf, und zwar erst vor 8 tagen, durch daiser bestätigt, welcher bey dieser gelegenheit sich sehr freundschaftlich für mich bewies, wie ich überhaupt mich sehr freue, diesen würdigen, aufgeklärten mann kennen gelernt zu haben. dieser streich war mir insoferne unangenehm, als ich mich mit der idee nach Brasilien zu gehen, bereits familiarisirt hatte, und es gewiß schwerer halten [sic] wird, irgend einen anderen Posten zu erhalten als diesen. sollte es aber dessenungeachtet gelingen, so könnte ich eigentlich nur von glück reden, wiewohl mir ein Aufenthalt in Brasi- lien, vorausgesetzt, daß er nicht zu lange gedauert hätte, sehr angenehm gewesen wäre. mein sinn steht nun schon einmahl nach Westen, wie der des columbus. dieses ist der gegenwärtige stand meiner Aussichten, ich praeparire mich nun auf die schritte, welche ich bald, nach der rückkehr sämmtli- cher matadors zur endlichen entscheidung derselben zu thun haben werde, möge diese ausfallen, wie sie wolle, am ende kann ich im vergleiche zu dem, was ich in mailand verlassen, nur gewinnen, wenn nicht an Annehm- lichkeit, so doch an vortheil, dank meiner jetzigen provisorischen dienst- leistung, und am ende bleibt mir noch immer ein kühner entschluß und der schritt in die weite Welt frey, wie ich ihn schon so lange unentwickelt und als embryo in meinem gehirne herumtrage. Zerstreuung habe ich übrigens sehr wenig, denn Wien ist leer und lang- weilig wie nur möglich. Alles ist fort, der hof in triest, seit 26. und kommt ende dieses monats zurück. die erzherzoge und erzherzoginnen auf rei- sen. dazu hatten wir einen sommer wie sich kein mensch dessen erinnert, beständig regen und kalte tage, desto schöner war bisher der september, und ich benütze denselben, indem ich seit ein Paar tagen hier eine Woh- nung genommen habe und mir vornehme, so viel und so oft herauszukom- men, als es meine geschäfte erlauben. die herrliche gegend lockt mich her- aus, und die nachbarschaft meiner alten flamme reviczky schadet dem totaleindrucke auch nicht. Abends sitze ich immer bey ihr und trinke dort meinen thee. Bisher vertrieb ich mir übrigens die Zeit mit excursionen auf das land, soviel ich deren nur machen konnte, um die schönen umgebungen Wiens 1 nichtadeliger. der diplomat (und lyriker) hippolit v. sonnleithner stammte aus einer bekannten Wiener familie, seinem vater ignaz, Advokat und notar und gründer der All- gemeinen versorgungsanstalt, war 1828 der Adel verliehen worden, sein onkel Josef war initiator und langjähriger sekretär der gesellschaft der musikfreunde. er selbst wurde als gesandter in Brasilien 1866 in den ritter-, 1869 in den freiherrnstand erhoben.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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