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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher492 ren einer im schönbrunner schloßtheater ich beywohnte, die fête des für- sten metternich unterblieb wegen seiner krankheit, übrigens schien er all- gemeine sympathie im Publikum gefunden zu haben, welcher unterschied gegen die stimmung, die noch vor 10 Jahren bey uns allgemein gegen Preu- ßen herrschte! c’est bien vrai, que le siècle marche. Am tage seiner Abreise verschied die arme sophie (mischka) esterhazy, sie sah schon in letzter Zeit mehr einer leiche als einer lebenden ähnlich. Wiewohl ich schon seit Jahren mit ihr ziemlich gespannt war, so frappirte mich ihr tod, und ich dachte an die Zeit zurück, da Wien nach ihrer Pfeife tanzte. [vorderbrühl] 24. september es sind herrliche tage, die ich in dieser schönen gegend verlebe. nach dem langweiligen regnerischen sommer dieses Jahres genießt man den schönen september doppelt, auch physisch fühle ich mich neu gestärkt. leider kann ich meiner dienstgeschäfte in Wien wegen diese goldene Zeit nicht so benützen, als ich gerne möchte. doch bringe ich 3, auch 4 tage in der Woche hier zu und nahm als Begleiter ein wohlgespicktes Porte- feuille mit. freylich bin ich auch hier nicht so allein, als ich es wünschte und hoffte. die verwünschte eisenbahn speyt besonders an sonntagen ganze schwärme von Wienern, und darunter nur zu oft Bekannte, hier aus. doch zittere ich, wenn ich an die hetze denke, die nun bald wieder angehen wird, denn in den nächsten tagen kehrt Alles wieder heim, der hof und die großen des reiches aus dem süden, die Andern aus allen Weltgegenden. sonderbar, ich kann meiner wahrscheinlichen nächsten Zukunft, wie sie sich auch gestalten möge, durchaus keine angenehme seite abgewinnen. nicht nur daß mich die diplomatische laufbahn nicht mehr anlockt, weil ich einsehe, daß der übertritt für mich immer mit manchem nachtheile, in the worldly acception of that word, verbunden seyn wird, und daß dieselbe auch sonst bey meinen jetzigen pecuniairen verhältnissen mit mancher un- annehmlichkeit verknüpft ist, so ist sie mir auch deßhalb beynahe zuwider, weil es ein fortwährend gewaltsamer Zustand, eine unaufhörliche verläug- nung meiner politischen Ansichten, und diese sind gegenwärtig meine heilig- sten, seyn wird, und ich für lange wo nicht für immer jeder selbstständigkeit entsagen muß. Andere nicht minder ernste Bedenken und der Widerwillen gegen den schon bekannten abgedroschenen schlendrian befallen mich bey dem gedanken, bey dem zu verharren, wo ich gegenwärtig sitze. ich fühle ein immer dringenderes Bedürfniß nach thätigkeit, jedoch nach selbstständiger Thätigkeit, und finde wie Marquis Posa keinen Platz für diese. Ja, wohl, ganz wohl mag es nur dem seyn, der sich der Wissenschaft er- geben hat. Wer sich aber mit den dingen der Welt abgibt, der wird, wenn
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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