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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 495 -
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49515. Oktober 1844 obwohl diese noch fortglimmende hoffnung auf meine stimmung durchaus keinen Einfluß hat. Wäre mein Herz für die Liebe schon ganz erstorben? Ich muß es fast glauben, und die frau hat mich ziemlich richtig beurtheilt. Aber so ist es, ich habe mir meine chancen selbst verdorben, ich habe mich zu sehr gezeigt wie ich bin, räsonnirend, spottend und Weiber und liebe als nebensachen betrachtend, das kömmt von einer zu großen inti- mität, konnte ich aber auch wissen, daß sie, die doch sonst das gerade ge- gentheil einer bégueule ist, in ihrem falle so überspannte Anforderungen machen würde, welchen ein so ledernes herz wie das meinige freylich nicht genügen kann. ich ahnte übrigens zuletzt etwas dergleichen und kleidete daher meine déclaration in eine sprache wie zu Augusta’s Zeiten,1 doch da war es zu spät. Enfin, quoi que ce soit, haben wir mit einander recht angenehme Tage zugebracht und manches getrieben, woran wir uns lange erinnern werden, so eine charmante Parthie über gaaden nach Baden mit constant Palffy, der überhaupt viel mit uns war, dann einen Abend im theater in mödling, wo wir wegen mißverhaltens beynahe und ohne mein Phlegma wahrschein- lich buchstäblich ausgetrieben worden wären, etc. sonst sah ich bey ihr noch einen dichterling Baron Beyer (rupertus), den compositeur randhar- tinger, fritz schwarzenberg, den ungarischen exaltato Pulszky etc. Wien 15. oktober Gestern bin ich définitiv hier vom Lande eingerückt, à mon corps défen- dant. denn diese letzten tage waren über die maaßen schön und ange- nehm. es ist hier schon so winterlich, daß mir vorkömmt, als hätte ich mit einem schritte ein monath übersprungen. übrigens war ich beynahe die ganze vorige Woche herin, hatte also Zeit mich daran zu gewöhnen. Jenen Aufenthalt vor einigen tagen in der stadt in vergangener Wo- che benützte ich dazu, zur Wiederanknüpfung meiner diplomatischen un- terhandlungen einige schritte zu machen. von großen nutzen ist mir da- bey Baron daiser, bisher gesandter in Brasilien, an den ich durch Pachta gewiesen wurde, und der mir als wahrer freund mit rath an die hand geht. leider kann er, der kränkliche und gichtbrüchige, mir nicht auch in der that beystehen, ich war beym grafen münch, dem Allgewaltigen, bey Bombelles, der mir aber seit einiger Zeit sehr boutonnirt und verlegen vorkömmt. die idee, mich compromittirt zu haben, scheint ihn zu embarra- siren, und er möchte sich gerne aus der schlinge ziehen. derjenige, gegen den man ein unrecht hat, ist uns immer unangenehm. ich wüßte wohl ein mittel, ihn ganz zu gewinnen. dieses wäre, ein Jesuit zu werden und nach 1 gemeint ist seine Jugendliebe Augusta horrocks.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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