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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher498 gabrielle kommt gegen den 20. dieses monats und wird wohl ein paar monathe hier bleiben, sie hat einen unbestimmten urlaub und wird, hoffe ich, später bey der erzherzogin hildegarde untergebracht werden. sie ist jetzt in venedig und war vor ihrer Abreise von mailand auf ein paar tage in turin, um erzherzogin Adèle zu besuchen, welche sie auf das herzlichste aufnahm. Was meine Angelegenheiten betrifft, so werden sie hoffentlich nun bald zur entscheidung kommen, da ottenfels seit einigen tagen wieder hier ist. ich habe mit münch und ficquelmont gesprochen, Bombelles, gervay etc. will ich dieser tage aufsuchen, um von allen seiten zugleich loszuschlagen, und dann selbst mit ottenfels reden. in diesen tagen war Alles beschäftigt und confus wegen des ungarischen landtags, der nun endlich gestern auf eine schmäliche Art geschlossen worden ist, und zwar, um die rebellischen ungarn zu bestrafen, durch den erzherzog carl statt des kaisers. der dann auch in Pressburg sehr kühl empfangen wurde. fürst metternich wird täglich hinfälliger, er schont sich sehr, geht früh schlafen und sieht beynahe niemand, dazu ist er stocktaub. ich gehe ziemlich oft zu reviczky und sonst Abends manchmal zu fic- quelmont, Bombelles, uechtritz, tegoborski etc., überall aber ist es noch sehr leer, denn fast Alles ist noch auf dem lande. resi spaur-Pallavicini ist auch hier und gefällt allgemein, was mich sehr freut als ihren alten Be- kannten und freund. Am 24. ist die hochzeit von gabrielle fürst[enberg] und Alphons Pallavicini. neulich war ein großes musikfest in der kaiserli- chen reitschule von mehr als 1000 künstlern, man gab haydn’s Jahreszei- ten, der effekt war wirklich großartig. ich weiß wahrhaftig nicht, ob ich es wünschen soll, in der diplomatie verwendet zu werden oder nicht, angenehmer wäre mir diese carrière gewiß, d.h. wofern man mich nicht in irgend ein kleines und abgelegenes nest schickt, was sehr möglich wäre, vortheilhaft aber gewiß nicht, weil ich meine Anciennität verlöre. Wird jetzt nichts daraus, worüber ich mich gar nicht grämen würde, so begehre ich hier hofsecretär zu werden, wo ich dann hier alle möglichen günstigen chancen abwarten kann. Wie lange kann es fürst metternich noch machen, und nach ihm wird es manche ver- änderung geben, wobey auch ich einen Platz finden könnte. [Wien] 7. dezember die entscheidung meiner lage, wenigstens für die nächste Zukunft, ist endlich erfolgt. vor einigen Wochen hatte ich eine ziemlich lange unter- redung mit Baron ottenfels, den ich ersuchte, mir einmahl klaren Wein einzuschenken, und da merkte ich dann aus Allem, daß es für jetzt, da nun Brasilien vergeben ist, schwer seyn würde, eine passende Anstellung
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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